Messedirektor Marius Berlemann und „Mister boot“, Direktor Petros Michelidakis © Lokalbüro

Mes­se­di­rek­tor Marius Ber­le­mann und „Mis­ter boot“, Direk­tor Petros Micheli­da­kis © Lokalbüro

 

Von Man­fred Fammler

Wenn es einen Vor­bo­ten für den Som­mer gibt, dann ist es die boot 2026. Exo­ti­sche Rei­se­ziele in süd­li­chen Gefil­den, Tau­chen, Segeln oder ein­fach im Pool oder an Deck einer Char­ter­yacht rela­xen – noch bes­ser auf dem eige­nen Schiff. Im Grunde geht es um Träume, die die welt­wich­tigste Was­ser­sport­messe dem­nächst greif­bar macht.

Für­wahr, dass den Träu­men teil­weise traum­hafte Preise im Weg ste­hen, bleibt unbe­strit­ten. Dabei – und auch das sollte deut­lich wer­den – gibt es große und kleine. Ange­fan­gen bei den klei­nen: Ein neues Boot für knapp 10.000 Euro ist durch­aus ein Start­punkt, an dem sich die Fami­lie erfreuen könne, stößt Kars­ten Stahl­hut vom Ver­band Mari­time Wirt­schaft Deutsch­land kräf­tig ins Schiffs­horn. Für die grö­ße­ren muss aller­dings tie­fer in die legen­däre Tasche gegrif­fen wer­den. Bis zu sie­ben Mil­lio­nen Euro reicht die Stei­ge­rung in Halle 6.

Wobei diese exklu­si­ven Segel­yach­ten oder Motor­schiffe über­haupt erst ab einer gewis­sen Preis­klasse „aus einem Ver­mö­gen bezahlt und nicht finan­ziert wer­den“, erklärte Stahl­hut. Ergänzt wur­den diese Zah­len von Petros Micheli­da­kis, Direk­tor der boot, gefragt nach den Kauf­prei­sen auf der Messe: „Bei einem neuen Motor­boot liegt der Preis im Schnitt bei 237.000 Euro, bei einer Segel­yacht bei einer Vier­tel­mil­lion Euro.“

Ange­sichts die­ser Sum­men ist der Gebraucht­markt für Boote ein gro­ßes Tum­mel­feld. Von den 40.000 Boo­ten, die im Durch­schnitt pro Jahr ver­kauft wer­den, hat­ten rund zwei Drit­tel einen Vor­be­sit­zer. Nur 10.000 erhiel­ten eine echte Taufe. Von letz­te­ren sind wie­derum rund ein Drit­tel soge­nannte offene Sport­boote und fal­len somit unter die Kate­go­rie „Ein­stei­ger­boote“.

Apro­pos Kate­go­rie: Nach der Antriebs­art – ob Ben­zin, Die­sel oder Elek­tro­mo­tor – gefragt, ver­blüffte ADAC-Tou­ris­mus­prä­si­dent Karl­heinz Jung­beck mit einer beson­de­ren Zähl­weise. So seien 2024 rund sechs Pro­zent mehr der beim ADAC gemel­de­ten Was­ser­fahr­zeuge mit E‑Antrieb zuge­las­sen wor­den, womit der Gesamt­an­teil auf vier Pro­zent anstieg. Aller­dings fal­len laut ADAC dar­un­ter auch motor­ge­trie­bene Paddelboards.

Was kommt nach den Babyboomern?

In den kom­men­den Jah­ren wird sich die Bran­che der Boots- und Yacht­bauer auf här­tere Zei­ten ein­stel­len müs­sen. Soll­ten die Baby­boo­mer ihre letzte See­fahrt ange­tre­ten haben, wird sie der Markt schmerz­lich ver­mis­sen, denn der demo­gra­fi­sche Wan­del wird die Was­ser­sport­bran­che tref­fen. Wie hart aller­dings, bleibt abzu­war­ten. Des­we­gen will der Bran­chen­ver­band bereits heute gegen den Wind steuern.

Schließ­lich gin­gen in den letz­ten acht Jah­ren 34.000 Eig­ner von Bord, und das Durch­schnitts­al­ter stieg von 60 auf 62 Jahre. Bei dem Ansin­nen, neue Leicht­ma­tro­sen zum Kauf eines eige­nen Schif­fes zu ani­mie­ren, stützt sich Stahl­hut auf eine Sta­tis­tik: „55 Pro­zent der Erst­käu­fer sind zwi­schen 20 und 40 Jahre alt. Nur zwölf Pro­zent sind älter als 50“, sagte er. Sein Fazit: „Wenn wir die Men­schen nicht bis zum Alter von 50 Jah­ren errei­chen, ver­lie­ren wir sie für den Wassersport.“

Das wie­der­holte Ein­stei­ger­bei­spiel eines gerade erfolg­rei­chen Uni­ver­si­täts­ab­sol­ven­ten, der mal eben Zig­tau­sende Euro für ein Boot hin­le­gen kann, bezieht sich dabei wohl eher auf das bereits erwähnte Ver­mö­gen als auf einen Normalo.

Bis es so weit ist, bewegt sich die Bran­che in einem eher ruhi­ge­ren Fahr­was­ser. Was gibt es Neues? Die Stim­mungs- und Geschäfts­lage stieg 2025 an, wobei sie in den letz­ten Jah­ren stark ein­ge­bro­chen war und das Vor-Corona-Zeit­al­ter noch lange nicht erreicht hat. Die Ost­see rückt als Segel­char­ter-Alter­na­tive vor der Haus­tür ver­stärkt in den Fokus – nicht nur von rus­si­schen Öltan­kern – und es besteht der Trend zu älte­ren und klei­ne­ren Boo­ten, nicht nur bei Uni­ab­sol­ven­ten. „Preis­ge­trie­ben“, ver­mu­tet Stahlhut.

Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist die Zahl, dass sich der Markt im höher­prei­si­gen Seg­ment sta­bi­li­siert hat. Die Nach­frage bei Yach­ten und Motor­boo­ten über zwölf Meter ist gleich­blei­bend – wobei wie­der der Hin­weis auf Ver­mö­gen statt Ban­ken­fi­nan­zie­rung zum Tra­gen kommt.

Als Alter­na­tive lockt der Gebraucht­markt. „Es gibt eine große Anzahl an jun­gen Boo­ten“, rührte Stahl­hut die Wer­be­trom­mel wei­ter. „Hohe Rabatte sind mög­lich, vor allem für sofort ver­füg­bare Bootstypen.“

Die Bran­che blickt dem­nach mit ver­hal­te­nem Opti­mis­mus bug­wärts, dem sich „Mis­ter boot“, Direk­tor Petros Micheli­da­kis, anschloss. Der lei­den­schaft­li­che Seg­ler freute sich beson­ders über ein Come­back: „Die Tau­cher sind zurück.“ Diese Bran­che hatte es wäh­rend des pan­de­mie­be­ding­ten Rei­se­ver­bots beson­ders hart getrof­fen. Nun fül­len sie wie­der Hal­len und Stände. „Unsere Messe ist für sie der Hei­mat­ha­fen der Welt“, fügte er mit Stolz hinzu.

Ebenso stolz ist man dar­auf, dass Finn­land als Ost­see­an­rai­ner erst­mals seine Was­ser­sport­qua­li­tä­ten auf der boot vor­stellt. Dabei sind die Skan­di­na­vier nicht die ein­zi­gen „Exo­ten“ auf der Messe. Saba prä­sen­tiert sich dort als Traum­des­ti­na­tion ebenso wie Mikro­ne­sien, Palau oder Fuß­ball-WM-Vor­run­den­geg­ner Curaçao.

Über­haupt das Thema Aus­stel­ler: Rund 1.500 aus 68 Län­dern der Welt las­sen ab dem 17. Januar auf wär­me­res Wet­ter und län­gere Tage hof­fen. „Die Hal­len sind voll und war­ten auf was­ser­sport­be­geis­terte Besu­cher“, freut sich Petros Michelidakis.

Als „Leucht­turm“ der Bran­che ver­steht Mes­se­di­rek­tor Marius Ber­le­mann die welt­weite Was­ser­sport­messe, in die er „gro­ßes Ver­trauen“ setzt. „Die boot 2026 ist wich­tig für die Wirt­schaft und für Fami­lien eine Mit­mach­messe.“ Dabei ver­wies er auf die vier oder fünf Schul­klas­sen, die täg­lich die Messe und das mari­time Klas­sen­zim­mer des Aqua­zoos besu­chen werden.

Schiffs­fried­hof

Laut ADAC schip­pern der­zeit über 25.000 GFK-Boote, die älter als 35 Jahre und beim Ver­band gemel­det sind, über Flüsse und Seen. „GFK“ ist die Abkür­zung für glas­fa­ser­ver­stärk­ten Kunst­stoff. Die Lebens­zeit die­ser Fiber­glas­rümpfe wird auf 30 bis 50 Jahre geschätzt.

Doch wohin mit den alten Böt­chen? Bis­her gebe es nur eine Hand­voll Betriebe, die sich auf die Ver­wer­tung von Schif­fen spe­zia­li­siert haben – und das sei teuer, so Stahl­hut. Dabei ginge es viel ein­fa­cher. Ein Blick über die Grenze nach Frank­reich hilft dabei. Dort wird mit einem Abwrack­fonds gearbeitet.

Der erste Eigen­tü­mer zahlt bei­spiels­weise 2.000 Euro in die­sen Fonds ein, jedes wei­tere Jahr müss­ten 80 Euro vom jewei­li­gen Eig­ner locker­ge­macht wer­den. Wenn dann irgend­wann aus dem einst statt­li­chen Schiff eine Bade­wanne gewor­den ist, würde diese sogar zur Ver­schrot­tung und Aus­schlach­tung abge­holt wer­den. Aller­dings schei­tert dies bereits zwi­schen Rhein und Elbe im Ansatz, denn dafür bedarf es eines zen­tra­len Regis­ters. Nicht nur beim Savoir-vivre sind die Fran­zo­sen den Deut­schen ein Stück voraus.

Die boot 2026 star­tet am 17. und endet am 25. Januar. Sie ist täg­lich von 10 bis 18 Uhr geöff­net. Der „Ein­tritt in Som­mer­träume im Win­ter“, so Micheli­da­kis, liegt bei:

  • Online-Tages­ti­cket: 21 Euro (Tages­kasse 29 Euro)

  • Online-Zwei-Tages-Ticket: ca. 36 Euro

  • Kin­der (bis 12 Jahre): freier Eintritt

  • boot.club-Mitglieder: ermä­ßigte Preise, z. B. 19 Euro für zwei Tage (Stand: Dez. 2025)

Ein beson­de­res Ange­bot gibt es für Boots- und Tauch­schein­ein­stei­ger: Nach Anmel­dung ist der Ein­tritt frei. 2.500 Was­ser­sport-Roo­kies nut­zen bereits die­sen Ser­vice. Mehr Infos unter boot.de.