
Theodor-Heuss-Brücke ©Landeshauptstadt Düsseldorf, Amt für Brücken‑, Tunnel- und Stadtbahnbau
Von Manfred Fammler
Ab dem 1. Februar dürfen keine Rheinbahn-Busse mehr über das marode Bauwerk fahren. Das wurde jetzt in der gemeinsamen Sondersitzung der Bezirksvertretungen 1 und 4 vom Brückenbauamt verkündet. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt ab diesem Zeitpunkt maximal 3,5 Tonnen.
Der nächste Tiefschlag für die angegriffene Infrastruktur der Landeshauptstadt. Und als wäre dies noch nicht genug, wird ab Mitte des Jahres eine komplette Fahrbahnseite gesperrt, sodass nur noch eine Brückenseite in beide Richtungen befahren werden darf – und zwar mit Tempo 30. Was diese Einschränkungen bedeuten, mag kaum einer erkennen. Die ominöse Glaskugel wurde häufiger auf die Fragen der Bezirkspolitiker bemüht, als allen lieb war, zumal der Startpunkt für den Neubau ebenfalls noch nicht feststeht.
Nach dem Beschluss des Neubaus durch den Rat im letzten Jahr beginnt bald der lange Weg durch die Institutionen, für den Kämmerin Dorothée Schneider Hoffnung macht. Mit Blick auf Lüdenscheid und den für deutsche Verhältnisse schnellen Bau der neuen Rahmedetalbrücke sagte sie: „Wir stellen uns die Frage, an welcher Stelle können wir an Geschwindigkeit gewinnen?“ Denn: „Je schneller, je günstiger.“ Dabei peilt sie auf die Bezirksregierung und das Landesministerium: „Wir haben Unterstützer und Befürworter.“
Apropos Erhalten: Damit die Theodor-Heuss-Brücke überhaupt bis zum Neubau durchhält, wird sie für über 37 Millionen Euro saniert. Doch schon jetzt geht der bange Blick gerade der linksrheinischen Meinungsvertreter auf die Ausweichbrücken: Oberkasseler Brücke, Rheinkniebrücke – weniger auf die Flughafenbrücke. Gerade für die beiden erstgenannten werden nun neue Verkehrskonzepte ausgearbeitet.
Das ist auch bitter nötig. Schließlich queren die „Schicksalsbrücke“, so Brückenbauamtsleiter Alexander Fischer, im täglichen Durchschnitt rund 66.000 Fahrzeuge den deutschen Schicksalsstrom – um im Bild zu bleiben. Davon bringen rund 2.600 Fahrzeuge mehr als die ab Februar vorgeschriebenen 3,5 Tonnen auf die Waage. Aufgeschlüsselt bedeutet dies:
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1.000 Fahrzeuge wogen zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen
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1.450 Fahrzeuge wogen zwischen 7,5 und 30 Tonnen
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145 Fahrzeuge wogen zwischen 30 und 44 Tonnen
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15 Fahrzeuge wogen mehr als die erlaubten 44 Tonnen
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80 Achsen lagen über den erlaubten 11,5 Tonnen
Wenig Hoffnung bleibt dagegen für die Rheinbahn und ihre Gäste. Am 31. Januar wird es wohl die letzte Fahrt der Buslinien 834 und M2 über die Theodor-Heuss-Brücke bis zur Wiedereröffnung der neuen Querung geben. Denn auch nach der Sanierung liegt die Belastungsgrenze bei 3,5 Tonnen. Ob anschließend jedoch wieder mit dem Standardtempo 50 der Rhein zügiger passiert werden kann, weiß allein die Glaskugel.
Übrigens dürfen Rettungskräfte natürlich über die marode, aber schöne Brücke fahren – allerdings nur im Einsatz. Ansonsten gilt auch für sie, einen Umweg zu fahren.
Bleibt die Frage nach der Kontrolle: Wie kann sichergestellt werden, dass nur Fahrzeuge bis zum zulässigen Gesamtgewicht die Abkürzung vom linksrheinischen Bereich zur B 8 oder A 52 befahren? Auch bei diesem Thema steckt die Verwaltung mit ihren Vorschlägen noch in den Kinderschuhen. Denn wenn sich bereits im November im Durchschnitt täglich 2.600 Fahrzeuge nicht an die Vorgaben hielten, wieso sollten sie es ab dem 1. Februar tun? Eine Strafe wurde bislang eben nicht ausgesprochen oder eingeklagt. Eine weitere Frage, die zeitnah geklärt werden muss.
Bleibt noch, mit welchem Wohlwollen oder welcher Ablehnung die Bezirksvertreter die Vorlagen zum Neubau der Brücke und zur Sanierung begleiten. Die linksrheinischen Grünen weigerten sich, dem Neubau ohne Bahngleise ihre Absolution zu geben, und enthielten sich demonstrativ. Dabei hatte Kathrin Küppers, von dem Verfasser der Machbarkeitsstudie Spiekermann Ingenieure, ihre Präsentation mit den Worten geschlossen: „Volkswirtschaftlich ist es nicht sinnvoll. Es wird keine Fördermittel geben. Die Kosten sind nicht auszugleichen.“ Wenn Düsseldorf eine Bahntrasse haben wolle, „müsste die Stadt die Kosten selber aufbringen“. Diese beginnen bei 457 Millionen Euro.
Bis auf eine Enthaltung stimmten die Rechtsrheinischen der BV 1 für die Empfehlung der Studie, den Neubau ohne Bahngleise zu planen, womit die Brücke nicht breiter wird als bisher. Der Sanierung stimmten alle zu. Jetzt gehen die Vorlagen in den Ordnungs- und Verkehrsausschuss und anschließend in den Rat, der am 11. Februar – einen Tag vor Altweiberkarneval – darüber urteilt.

