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Dr. Cuong Nguyen, Prof. Wolf­gang Höpp­ner und Chris­tian Starke im Hil­de­ner High-Tech-Labor. Sie erar­bei­ten die Test-Tech­nik zur Iden­ti­fi­zie­rung der Kriegs­to­ten Foto: LOKALBÜRO

Wie­der ein Welt­re­kord aus Hil­den. Und wie­der stellt ihn gerade die Bio High-Tech Firma Qia­gen auf: Das größte DNA – Ana­lyse – Pro­jekt, das es je gab.

Fünf Mil­lio­nen Kriegstote
Schau­platz für den Rekord ist Viet­nam. In 20 Jah­ren Krieg (1955 – 1975) star­ben etwa 5 Mil­lio­nen Men­schen. Die Viet­na­me­si­sche Regie­rung schätzt, dass über 500000 Kriegs­op­fer noch ver­misst wer­den. Das belas­tet die Men­schen des süd­ost­asia­ti­schen Lan­des schwer.

Schlacht­fel­der und Massengräber
Hier soll eben jenes größte DNA – Ana­lyse – Pro­jekt hel­fen, die Lei­chen auf den Schlacht­fel­dern, in den Mas­sen­grä­bern für ihre Ange­hö­ri­gen zu iden­ti­fi­zie­ren. Zwei Spe­zial-Fir­men für mole­ku­lare Bio­lo­gie, die Bio­globe GmbH aus Ham­burg und Qia­gen aus Hil­den, wol­len das ehr­gei­zige Pro­jekt ver­wirk­li­chen. Sie ent­wi­ckeln und lie­fern das Wis­sen für die Arbeits­ab­läufe, die Che­mie und die Maschi­nen nach Hanoi, der Haupt­stadt Vietnams.

Kri­mi­na­lis­ti­sche Kleinarbeit
Mit dem Know how und einem Jah­res­etat von 23000 Euro sol­len drei Labor­zen­tren auf­ge­baut wer­den, die pro Jahr etwa 20000 Kriegs­op­fer iden­ti­fi­zie­ren wol­len. Ein sehr anspruchs­vol­les Vor­ha­ben, weit schwie­ri­ger als die kri­mi­na­lis­ti­sche All­tags­ar­beit unse­rer Poli­zei. Mitte März baten die Viet­na­me­sen des­halb Prof. Wolf­gang Höpp­ner von Bio­globe um Hilfe. Er beschreibt das Pro­blem: „Die Lei­chen lie­gen teil­weise seit über 50 Jah­ren in der Erde. Die stän­dige Hitze, hohe Luft­feuch­tig­keit und viele Bak­te­rien im Boden haben den Ske­lett-Kno­chen stark zugesetzt.“

Es wird schwierig
Chris­tian Starke, Foren­sik-Experte bei Qia­gen: „Waren die Lei­chen tie­fer als 1,50 Meter begra­ben, haben wir ganz gute Aus­sich­ten auf ver­nünf­tige Ergeb­nisse. Wenn nicht, wird es schwierig.“

Drei Viet­na­me­sen zu Gast
Was ist zu tun? Nach­dem die Kno­chen rund 2–3 Stun­den per Hand abge­wa­schen und geschrubbt wer­den, kom­men sie in die Schwing­mühle. Dort wer­den sie pul­ve­ri­siert. Das Pul­ver wird mit Spe­zial-Che­mi­ka­lien ver­setzt, in den Tisch- Extrac­tor EZ 1 gefüllt. Der iso­liert dann die DNA, die dann mit der DNA noch leben­der Ver­wand­ter des Kriegs­op­fers ver­gli­chen wird. Teile die­ser Arbeits­ab­läufe ler­nen gerade drei viet­na­me­si­sche Wis­sen­schaft­ler, die jetzt bei Qia­gen zu Gast sind. End­gül­ti­ger Start des Pro­jek­tes: August 2016.

Eine Ana­lyse dau­ert 4 Tage. Und eine Probe muss mit der DNA von drei, noch leben­den Ver­wand­ten ver­gli­chen werden.

Schnaps zum Neujahrsfest
Warum der Auf­wand? Das erklärt Dr. Cuong Nguyen, Bio-Infor­ma­ti­ker aus Hanoi: „Die Kul­tur­ge­schichte unse­rer Toten-Ehrung ist über 1000 Jahre alt. Jede Fami­lie hat einen Altar für ihre ver­stor­be­nen Ange­hö­ri­gen. Mit Ihnen wird gebe­tet, wir bit­ten sie um Hilfe. Und zum Tet-Fest, dem viet­na­me­si­schen Neu­jahr, gibts einen Schnaps und fri­sche Blu­men. Bei­des wird auch auf den Altar gestellt.“

Fünf Jahre wird das Pro­jekt lau­fen, dann sol­len die meis­ten Ver­miss­ten iden­ti­fi­ziert sein und bei ihren Lie­ben end­lich die letzte Ruhe finden.