Im Herbst 2009 war das Platt­bo­den­schiff bei Deich­sa­nie­rungs­ar­bei­ten ent­deckt wor­den. Foto: Andreas Bretz

 

Archäo­lo­gi­scher Sen­sa­ti­ons­fund kehrt nach Düs­sel­dorf zurück

Das lange War­ten hat sich für das Schiff­fahrt­Mu­seum gelohnt: Mit der Ankunft des gro­ßen Las­ters aus Schles­wig am Mitt­woch, 10. März, ist der erste große Abschnitt des Pro­jek­tes “Platt­bo­den­schiff” abge­schlos­sen. Die Nass­holz-Kon­ser­vie­rung des Schif­fes aus dem 17. Jahr­hun­dert, das bei Deich­bau­ar­bei­ten an den Trüm­mern der alten Kai­sers­wert­her Bas­tion 2009 gebor­gen wer­den konnte, bezeich­net die archäo­lo­gi­sche Zen­tral­werk­statt der Stif­tung Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­mu­seen als den bis­lang wohl auf­wen­digs­ten exter­nen Auf­trag seit der Grün­dung ihrer Werk­stät­ten. Über 10 Jahre wurde der Nass­holz-Fund, der aus ca. 1.000 Ein­zel­tei­len besteht, in gro­ßen Trän­kungs­be­cken auf der Got­tor­fer Muse­ums­in­sel kon­ser­viert. Jetzt wer­den die getränk­ten Span­ten, Plan­ken und ande­ren Frag­mente in rie­si­gen Trans­port­kis­ten an die Stadt Düs­sel­dorf über­ge­ben, damit sie in Zukunft fach­ge­recht restau­riert und wie­der zu einem Schiff zusam­men­ge­fügt wer­den können.

Annette Fim­pe­ler-Phil­ip­pen, Lei­te­rin des Schiff­fahrt­Mu­se­ums: “Für das Schiff­fahrt­Mu­seum hat sich das lange War­ten gelohnt, und die Freude über die erfolg­rei­che Nass­holz-Kon­ser­vie­rung ist groß. Hier­mit ist ein ers­ter gro­ßer Mei­len­stein des Pro­jek­tes erreicht.”

Auf­wen­dige Nassholz-Konservierung
Das Schiff hatte Jahr­hun­derte im feuch­ten Unter­grund gele­gen. Bei sol­chem Nass­holz sind die win­zi­gen Zwi­schen­räume zwi­schen den Fasern des Hol­zes nicht wie bei Tro­cken­holz voll Luft, son­dern voll Was­ser. Würde das Was­ser im Holz nach der Aus­gra­bung an der Luft ver­duns­ten, schrumpft das Holz, ver­zieht sich — und das Schiff wäre zer­stört gewe­sen. Des­halb wurde das Platt­bo­den­schiff in 10 Seg­mente zer­legt und Ende 2010 in einem Was­ser­bad in Con­tai­nern nach Schles­wig trans­por­tiert. Hier wur­den die ein­zel­nen Seg­mente genau ver­mes­sen, in ihre ca. 1.000 Ein­zel­teile zer­legt, doku­men­tiert und teil­weise für eine gra­fi­sche Doku­men­ta­tion gescannt. Bei die­sen Arbei­ten in der Werk­statt muss­ten die Holz­frag­mente stän­dig feucht gehal­ten werden.

Janosch Wil­lers, zustän­di­ger Mit­ar­bei­ter in der Zen­tral­werk­statt: “Nach der Doku­men­ta­tion kamen die Schiffs­teile in ein Kon­ser­vie­rungs­bad — eine Flüs­sig­keit mit der Che­mi­ka­lie Poly­ethy­len­gly­kol (PEG). Sie drang lang­sam in das Nass­holz ein, ersetzte das Was­ser und machte das Jahr­hun­derte alte Mate­rial halt­bar. Der Pro­zess dau­erte meh­rere Jahre und war der lang­wie­rigste Teil der Kon­ser­vie­rung.” Noch vor­han­dene Rest­feuch­tig­keit im Holz wurde mit­tels einer Vaku­um­ge­frier­trock­nung scho­nend ent­fernt. Auf diese Weise getrock­net und durch das PEG sta­bi­li­siert kann das Holz nun zusam­men­ge­fügt und das Schiff restau­riert und aus­ge­stellt werden.

Dem gro­ßen Auf­wand ent­spricht die Bedeu­tung des Schiffs­fun­des. Der Erhal­tungs­zu­stand des ins­ge­samt 17 Meter lan­gen und über drei Meter brei­ten Schif­fes ist ein­ma­lig am gesam­ten Rhein­ver­lauf. Daher ent­schloss sich die Stadt Düs­sel­dorf vor mehr als zehn Jah­ren, das Schiff zu ber­gen, zu kon­ser­vie­ren und auf­wen­dig zu rekon­stru­ie­ren mit dem Ziel, es der Öffent­lich­keit zu präsentieren.

Die nächs­ten Schritte
Bevor das Schiff­fahrt­Mu­seum die­ses hoch­ka­rä­tige Boden­denk­mal zei­gen kann, gibt es jedoch noch viel zu tun. Als Grund­lage für eine Finan­zie­rung der Restau­rie­rung und Rekon­struk­tion des Schif­fes erstellt das Restau­rie­rungs­zen­trum der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf zur Zeit eine Maß­nah­men­kon­zep­tion und Kos­ten­schät­zung Inhalt­lich beschäf­ti­gen sich die Wis­sen­schaf­te­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler des Muse­ums schon län­ger damit, wie sie das Platt­bo­den­schiff aus­stel­len woll­ten: Die soge­nann­ten “Nachen” waren die “Pack­esel” der Schiff­fahrt. Varia­bel in der Größe, rasch mit Gütern aller Art zu bela­den, wen­dig und schnell auf dem Strom unter­wegs, konn­ten diese Schiffe über­all in fla­chen Ufer­be­rei­chen auf­lau­fen und an Land gezo­gen wer­den. Daher wur­den sie seit dem Mit­tel­al­ter viel­sei­tig und viel­fach ein­ge­setzt. Im all­täg­li­chen Ver­kehr waren “Nachen” lokal die wich­tigs­ten Schiffe für den Waren- wie Per­so­nen­trans­port, für Fähr­ver­bin­dun­gen oder die Fische­rei. Ein solch ein­zig­ar­ti­ger Schiffs­fund ist ein “Schatz”, mit dem sich erst­mals in Düs­sel­dorf die Mög­lich­keit bie­tet, die­sen Schiffs­typ ent­spre­chend sei­ner Bedeu­tung span­nend zu präsentieren.

An wel­chem Stand­ort das Platt­bo­den­schiff sei­nen neuen “Hafen” fin­det, wird der­zeit noch geprüft. Eine Mög­lich­keit, die der­zeit unter­sucht wird, wäre ein his­to­ri­scher Rad­damp­fer als Ausstellungsort.