Dr. Sascha Förs­ter (l.), Lei­ter des Thea­ter­mu­se­ums, Kura­tor Phil­ipp Hanke und Anne Blan­ken­berg stell­ten die neue Aus­stel­lung “1904 bis 1947: Wan­del zwi­schen Auf­bruch & Archiv” und die Akti­vi­tä­ten zu 75 Jahre Dumont-Lin­de­mann-Archiv vor,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister

 

Akti­vi­tä­ten mit Nicole Hee­sters, his­to­ri­schen Weg­be­glei­tern der 1910er- und 1920er-Jahre und Aug­men­ted Reallity

Das Thea­ter­mu­seum ver­an­stal­tet zum 75-jäh­ri­gen Jubi­läum des Dumont-Lin­de­mann-Archivs am Mitt­woch, 1. Juni, 19 Uhr, auf der Open-Air-Bühne des Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­hau­ses bei freiem Ein­tritt einen Fest­akt. Die­ser läu­tet das große Jubi­lä­ums­jahr 2022 ein, denn es gibt viele Gründe zum Feiern.

Vor 75 Jah­ren, am 30. Mai 1947, hat der Regis­seur und Thea­ter­lei­ter Gus­tav Lin­de­mann das Dumont-Lin­de­mann-Archiv an die Lan­des­haupt­stadt über­ge­ben und damit den Grund­stein des heu­ti­gen Thea­ter­mu­se­ums gelegt. Das in sei­ner Art welt­weit ein­zig­ar­tige Dumont-Lin­de­mann-Archiv doku­men­tiert das von Lin­de­mann und der gro­ßen Schau­spie­le­rin Louise Dumont 1904 gegrün­dete und 1933 geschlos­sene Reform­thea­ter “Schau­spiel­haus Düs­sel­dorf”. Zudem jährt sich in die­sem Jahr der 150. Geburts­tag des 1952 zum Ehren­bür­ger erklär­ten Lin­de­mann. Dar­über hin­aus stünde bei Louise Dumont die Feier zum 160. Geburts­tag an.

Bür­ger­meis­ter Josef Hin­kel und Ralph Zin­ni­kus, kom­mis­sa­ri­scher Refe­rats­lei­ter Thea­ter & Tanz im Minis­te­rium für Kul­tur und Wis­sen­schaft, wer­den das Archiv mit ihren Gruß­wor­ten ehren. Der Lei­ter des Thea­ter­mu­se­ums, Dr. Sascha Förs­ter, und Jubi­lä­ums­ko­or­di­na­tor Phil­ipp Hanke wer­den die Beson­der­hei­ten die­ses Archivs vor­stel­len und das Publi­kum mit auf eine Zeit­reise in das frühe 20. Jahr­hun­dert neh­men. Als High­light des Fest­akts wer­den Rol­len und Texte Louise Dumonts auf dem Gus­taf-Gründ­gens-Platz von Ensem­ble-Mit­glie­dern des Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­hau­ses vor­ge­tra­gen. Außer­dem wird die Louise-Dumont-Topas-Trä­ge­rin Nicole Hee­sters, die 2021 mit dem FAUST für ihr Lebens­werk aus­ge­zeich­net wurde, den Fest­akt berei­chern und im Gespräch mit Dr. Sascha Förs­ter das künst­le­ri­sche und soziale Erbe Louise Dumonts thematisieren.

Neue Aus­stel­lung im Theatermuseum
Im Rah­men des Fest­akts wird auch die neue Aus­stel­lung des Thea­ter­mu­se­ums “1904 bis 1947: Wan­del zwi­schen Auf­bruch & Archiv” eröff­net, die ab 3. Juni für die Öffent­lich­keit zu sehen ist und von Dr. Sascha Förs­ter und Phil­ipp Hanke zusam­men mit dem Team des Thea­ter­mu­se­ums kura­tiert wurde. Mit die­ser Aus­stel­lung wen­det sich das Museum wie­der ver­stärkt dem Dumont-Lin­de­mann-Archiv als sei­nem Kern­be­stand zu und wird die mate­ri­el­len und kul­tur­his­to­ri­schen Beson­der­hei­ten des Bestan­des betonen.

Neben einer beein­dru­cken­den Mate­ri­al­viel­falt, für die 42 reprä­sen­ta­tive Objekte zwi­schen Büh­nen­bild­ent­wurf und Kran­ken­at­test in einem über­di­men­sio­na­len Setz­kas­ten ange­ord­net sind, stellt die Aus­stel­lung neun Weg­be­glei­te­rin­nen und Weg­be­glei­ter die­ses moder­nen Reform­pro­jekts vor. Die Comic-Künst­le­rin Büke Schwarz hat exklu­siv für die Aus­stel­lung Illus­tra­tio­nen die­ser Künst­le­rin­nen und Künst­ler ange­fer­tigt. In der Aus­stel­lung wer­den die Besu­che­rin­nen und Besu­cher ein­ge­la­den, sich in den Kos­mos “Schau­spiel­haus Düs­sel­dorf” zurück­zu­ver­set­zen und die Geschich­ten, von denen die Objekte berich­ten, kennenzulernen.

Die Strahl­kraft des Schau­spiel­hau­ses Düs­sel­dorf ging weit über das Rhein­land hin­aus und ist des­halb ein bedeut­sa­mes Bei­spiel für die Kul­tur­ge­schichte zum Auf­bruch in die Moderne, wie sie aktu­ell unter dem Schlag­wort der “Gol­de­nen Zwan­zi­ger” gefei­ert wird. Daher nimmt die zur Aus­stel­lung erschei­nende Publi­ka­tion eine titel­ge­bende “Inven­tur eines Thea­ter­ar­chivs” vor.

Aug­men­ted Rea­lity holt das Archiv auf die hei­mi­sche Couch
Im Herbst wird das Thea­ter­mu­seum in Koope­ra­tion mit der Smart­phone-App “Art­vi­sity” eine Aus­wahl der Objekte des Dumont-Lin­de­mann-Archivs digi­tal ver­füg­bar machen. Mit Hilfe von Aug­men­ted Rea­lity kön­nen Nut­ze­rin­nen und Nut­zer die Objekte, die sonst im Archiv ver­schlos­sen lie­gen oder im Museum nicht berühr­bar sind, in der eige­nen Küche oder beim Wochen­end­aus­flug am Rhein­ufer plat­zie­ren. Die digi­ta­len Kopien der Objekte wer­den um Ver­mitt­lungs­an­ge­bote ergänzt, die Men­schen jeden Alters und ohne jedes thea­ter­his­to­ri­sches Wis­sen die Objekte näherbringen.

Die Aus­stel­lung “1904 bis 1947: Wan­del zwi­schen Auf­bruch & Archiv” kann von diens­tags bis don­ners­tags, 11 bis 17 Uhr, und frei­tags bis sonn­tags von 11 bis 19 Uhr besucht wer­den. Für Kin­der und Jugend­li­che bis 18 Jahre sowie Geflüch­tete ist der Ein­tritt frei. Der regu­läre Ein­tritts­preis beträgt 4 Euro, ermä­ßigt 2 Euro. Sonn­tags ist der Ein­tritt für alle Besu­che­rin­nen und Besu­cher frei. Reser­vie­run­gen und wei­tere Infor­ma­tio­nen sind tele­fo­nisch unter 0211–8996130 oder per E‑Mail an kasse_theatermuseum@duesseldorf.de möglich.

Wei­te­res Rah­men­pro­gramm im Juni 2022:
Don­ners­tag, 9. Juni, 19 Uhr Künst­le­rin­nen, Schau­spie­le­rin­nen, Schrift­stel­le­rin­nen in Düs­sel­dorf 1919 Vor­trag Jas­min Grande (Hein­rich-Heine-Uni­ver­si­tät Düsseldorf)
Nach dem Ers­ten Welt­krieg hat­ten sich die Kräf­te­ver­hält­nisse auf dem Feld der Kul­tur in Deutsch­land deut­lich ver­scho­ben: Nicht nur waren die künst­le­ri­schen Akteu­rin­nen und Akteure nun­mehr in vie­len Fäl­len andere, auch das Publi­kum und die Insti­tu­tio­nen unter­la­gen einem Wan­del. Die Frage nach dem Ver­hält­nis von Repu­blik und Kunst war zudem zunächst offen. Bestre­bun­gen zu einem kul­tu­rel­len und kunst­po­li­ti­schen Neu­be­ginn kamen unter ande­rem von den Aka­de­mien, den Kunst­ver­ei­nen sowie von einer Zahl unab­hän­gi­ger Künst­le­rin­nen und Künst­lern. Eine Viel­zahl wei­te­rer Akteure – Kunst­freun­din­nen und ‑freunde, Kunst­händ­le­rin­nen und ‑händ­ler, Muse­ums­mit­ar­bei­tende – betei­ligte sich daran. Einen gewan­del­ten Stel­len­wert erlang­ten damals Frauen für das kul­tu­relle Gesche­hen: Para­graf 109 der Wei­ma­rer Ver­fas­sung legte glei­che Grund­rechte für Män­ner und Frauen fest. Vor dem Krieg hat­ten Frauen sich künst­le­ri­sche Pra­xis und Kennt­nisse bereits in pri­va­ten Schu­len und Mal­kur­sen ange­eig­net. Nun stan­den ihnen auch die die staat­li­chen Kunst­aka­de­mien offen: Sie waren bereit! Der Vor­trag wid­met sich der Düs­sel­dor­fer Kunst- und Kul­tur­szene nach dem Ers­ten Welt­krieg und zeigt, wie Künst­le­rin­nen, Dra­ma­tur­g­in­nen und Schrift­stel­le­rin­nen sich posi­tio­nier­ten. Ein­tritt: 5 Euro (freier Ein­tritt für Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Stu­die­rende, FSJ/BFD)

Sonn­tag, 19. Juni, 15 bis 17 Uhr Open Space: Gestalte Dir einen Theaterfächer
Ange­bot für Fami­lien mit Kin­dern ab 6 Jah­ren In Dumont-Lin­de­mann-Archiv befin­den sich auch einige unge­wöhn­li­che Objekte aus dem Besitzt von Louise Dumont, unter ande­rem ein Fächer aus Holz, auf dem zwei Schwal­ben abge­bil­det sind, sowie die Unter­schrif­ten von über 200 berühm­ten Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler. Als man in den Thea­tern noch keine Kli­ma­an­la­gen hatte und die Atmo­sphäre im Zuschau­er­raum manch­mal sehr sti­ckig war, benutz­ten viele Besu­che­rin­nen und Besu­cher oft kunst­voll gestal­tete Fächer, um sich ein wenig Luft zuzu­we­deln. Außer­dem war der Fächer bis zum Beginn des 20. Jahr­hun­derts ein unver­zicht­ba­res modi­sches Acces­soire, ins­be­son­dere der Damen, die sogar eine eigene Fächer­spra­che ent­wi­ckel­ten, um mit klei­nen Ges­ten geheim­nis­volle Bot­schaf­ten aus­zu­tau­schen. Einige die­ser Thea­ter­fans aber benut­zen ihren Fächer nicht nur dazu, son­dern lie­ßen ihre Lieb­lings­schau­spie­le­rin­nen und ‑schau­spie­ler dar­auf auch unter­schrei­ben, um sich spä­ter an einen beson­de­ren Thea­ter­abend zu erin­nern. Ganz so wie es heute man­che Fans von Pop­stars auf T‑Shirts oder ande­ren Klei­dungstü­cke tun. Das Open-Space-Ange­bot bie­tet allen Teil­neh­men­den kos­ten­los die Mög­lich­keit, diese alte Tra­di­tion wie­der­auf­le­ben zulas­sen und sich sel­ber einen sol­chen Fächer zu gestalten.