V.r.n.l.: OB Dr. Kel­ler mit Dr. Oded Horo­witz, Vor­sit­zen­der der Jüdi­schen Gemeinde, Jac­que­lyn Alt­man, Naomi Wise, Natha­nael Limin­ski, NRW-Minis­ter für Bun­des- und Euro­pa­an­ge­le­gen­hei­ten, Inter­na­tio­na­les sowie Medien, und Land­tags­prä­si­dent André Kuper,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

 

In der Nacht von Mitt­woch, 9. Novem­ber, auf Don­ners­tag, 10. Novem­ber, jäh­ren sich die Ereig­nisse des Novem­ber­po­groms 1938 zum 84. Mal. Allein in Düs­sel­dorf gab es mehr als 450 Über­fälle auf Woh­nun­gen und Geschäfts­räume, min­des­tens 70 Men­schen wur­den teil­weise schwer ver­letzt, 13 Men­schen star­ben wäh­rend oder an den Fol­gen des Pogroms. Mit ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen gedenkt die Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf der Opfer der Novemberpogrome.

Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler: “Die schreck­li­chen Ereig­nisse des Novem­ber­po­groms dür­fen nie­mals in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Ihrer zu geden­ken, ist ele­men­ta­rer Bestand­teil unse­rer Erin­ne­rungs­kul­tur. Wir erin­nern und mah­nen zugleich — es liegt in unser aller Ver­ant­wor­tung, Anti­se­mi­tis­mus, Hass und Aus­gren­zung die Stirn zu bie­ten und ent­schie­den für unser demo­kra­ti­sches Gemein­we­sen und für unsere Mit­men­schen einzutreten.”

Zen­trale Gedenkstunde
Am Mitt­woch, 9. Novem­ber, fand die zen­trale Gedenk­stunde der Lan­des­haupt­stadt im Ple­nar­saal des Rat­hau­ses statt. Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler, Natha­nael Limin­ski, Minis­ter für Bun­des- und Euro­pa­an­ge­le­gen­hei­ten, Inter­na­tio­na­les sowie Medien des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und Chef der Staats­kanz­lei sowie der Vor­stands­vor­sit­zende der Jüdi­schen Gemeinde Düs­sel­dorf, Dr. Oded Horo­witz, spra­chen dabei Worte des Gedenkens.

Ein beson­de­rer Pro­gramm­punkt der Gedenk­ver­an­stal­tung war der Film­bei­trag von Teil­neh­men­den der VHS Düs­sel­dorf, Abtei­lung schu­li­sche Wei­ter­bil­dung. Die jun­gen Men­schen hat­ten sich im Vor­feld inten­siv mit der Geschichte der Düs­sel­dor­fer deutsch-jüdi­schen Fami­lie Alt­mann beschäf­tigt. Der Film doku­men­tiert ihre Recher­chen zu David, Johanna und Alfred Alt­mann und ihre Aus­ein­an­der­set­zung mit den fami­li­en­ge­schicht­li­chen Zeug­nis­sen. Erst­mals konnte die Gedenk­stunde per Live­stream im Inter­net ver­folgt werden.

Ehren­gast aus Kanada
Eine beson­dere Ehre war die Anwe­sen­heit von Jac­que­lyn Alt­man, der Enke­lin von David und Johanna Alt­mann, die eigens aus dem kana­di­schen Toronto ange­reist war. Johanna Alt­mann lei­tete einen Mode­sa­lon auf der Blu­men­straße, wo auch die Fami­lie wohnte. Wäh­rend des Novem­ber­po­groms 1938 wur­den Woh­nung und Arbeits­stätte der Fami­lie völ­lig ver­wüs­tet. Ihren Sohn Alfred hat­ten Johanna und David Alt­mann noch aus Düs­sel­dorf ret­ten kön­nen. Mit einem “Kin­der­trans­port” konnte er als Jugend­li­cher ins sichere Aus­land flüch­ten. David und Johanna Alt­mann hin­ge­gen wur­den aus ihrer Hei­mat­stadt in das Ghetto Litz­mann­stadt depor­tiert und spä­ter in Ausch­witz ermor­det. Bis zur Depor­ta­tion stand ihnen ihre ehe­ma­lige nicht­jü­di­sche Ange­stellte Mar­tha Schu­ma­cher treu zur Seite. Sie suchte nach dem Krieg nach Alfred Alt­mann, um ihm Erin­ne­rungs­stü­cke wei­ter­zu­ge­ben, die sie für ihn bewahrt hatte.

Andreas Kre­mer, Vor­sit­zen­der des Jugend­ring Düs­sel­dorf, und Katha­rina Schunck, Bil­dungs­re­fe­ren­tin des Jugend­rings, stell­ten in ihren Wor­ten des Geden­kens ins­be­son­dere Alfred Alt­man und seine Flucht­er­fah­rung in den Mit­tel­punkt. Sie mahn­ten, nicht nur den Blick zurück zu rich­ten, son­dern mit dem Wis­sen um die Ver­gan­gen­heit die Gegen­wart mensch­lich zu gestal­ten, so gegen­über jun­gen Men­schen, die wie Alfred Alt­mann ihre Hei­mat als Flücht­linge ver­las­sen müs­sen. Zum Abschluss der Ver­an­stal­tung stimmte der Kan­tor der Jüdi­schen Gemeinde Düs­sel­dorf Aaron Malin­sky das Trau­erge­bet “El male rach­a­mim” an.

Kranz­nie­der­le­gung an der Kasernenstraße
Am Mitt­woch­vor­mit­tag hat­ten Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler, Land­tags­prä­si­dent André Kuper, Minis­ter Natha­nael Limin­ski, Dr. Oded Horo­witz und wei­tere Ver­tre­ter aus Poli­tik, Kir­chen, Ver­bän­den und Gewerk­schaf­ten auf Ein­la­dung der Jüdi­schen Gemeinde und der Mahn- und Gedenk­stätte Kränze am ehe­ma­li­gen Stand­ort der Düs­sel­dor­fer Syn­agoge, Kasernenstraße/Ecke Sieg­fried-Klein-Straße, nie­der­ge­legt. Die große, im Jahr 1904 fer­tig­ge­stellte Syn­agoge war in der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber ver­wüs­tet und ange­zün­det wor­den. Sie wurde im Dezem­ber 1938/Januar 1939 abgerissen.

Zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen an den Vor­ta­gen Im Vor­feld des Gedenk­ta­ges hatte es eine ganze Reihe an Ver­an­stal­tun­gen gege­ben, die sich mit dem Leben der Fami­lie Alt­mann, dem Über­le­ben von Alfred Alt­mann und dem Mut der Haus­an­ge­stell­ten Mar­tha Schu­ma­cher aus­ein­an­der­setz­ten. Auf Ver­mitt­lung der Mahn- und Gedenk­stätte besuchte Jac­que­lyn Alt­man meh­rere Düs­sel­dor­fer Schu­len und trat mit den jun­gen Men­schen in einen inten­si­ven Dia­log über ihre Fami­li­en­ge­schichte und jüdi­sches Leben im Zei­chen von wach­sen­dem Anti­se­mi­tis­mus heute.

Am Mon­tag, 7. Novem­ber, wurde im Kino Black Box im Film­mu­seum der Kurz­film “It was the right thing to do” gezeigt. Jac­que­lyn Alt­man erzählt darin die Geschichte ihrer Groß­el­tern Johanna und David Alt­mann und ihres Vaters Alfred aus Düs­sel­dorf. Gemein­sam mit der Pro­du­zen­tin Naomi Wise, die den Film für die Orga­ni­sa­tion “Inter­na­tio­nal March of the Living” und die “Con­gre­ga­tion Habonim of Toronto” erstellte, stand sie anschlie­ßend dem Publi­kum für ein aus­führ­li­ches Gespräch zum Film zur Verfügung.

Am Diens­tag, 8. Novem­ber, fand ein Gedenk­gang auf den Spu­ren der Fami­lie Alt­mann statt. Gemein­sam mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern des Fried­rich-Rück­ert-Gym­na­si­ums Düs­sel­dorf bega­ben sich die Teil­neh­men­den in der Innen­stadt rund um die Königs­al­lee an die Orte, an denen Johanna, David und Alfred Alt­mann in Düs­sel­dorf bis 1939 leb­ten. An drei Sta­tio­nen berich­te­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus dem Leben der Fami­lie. Jac­que­lyn Alt­man, Enke­lin von Johanna und David Alt­mann, nahm an dem Gedenk­gang teil.

Im Anschluss fand ein öku­me­ni­scher Gedenk­got­tes­dienst in der Johan­nes-Kir­che statt. Pater Elias H. Fül­len­bach O.P. hielt die Pre­digt. Jac­que­lyn Alt­man hielt eine Anspra­che. Gedenk­gang und Gedenk­got­tes­dienst wer­den seit vie­len Jah­ren vom Evan­ge­li­schen Kir­chen­kreis Düs­sel­dorf, von der Katho­li­schen Kir­che in Düs­sel­dorf, der Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit in Düs­sel­dorf e.V. und der Mahn- und Gedenk­stätte kon­zi­piert und ausgerichtet.

Bis zum Nach­mit­tag des 9. Novem­bers war zudem die Wan­der­aus­stel­lung “#Last­seen – Bil­der der NS-Depor­ta­tio­nen” der Arol­sen Archi­ves auf dem Markt­platz vor dem Rat­haus zu besich­ti­gen. Die Aus­stel­lung illus­triert die Initia­tive der Arol­sen Archi­ves, in his­to­ri­schen Bil­der­samm­lun­gen und Pri­vat­ar­chi­ven nach Fotos von den Samm­lun­gen zur Depor­ta­tion zu suchen.