Von Manfred Fammler
Sanft und leise gleitet der Smart auf einer Plattform in das Heck eines Millionen Euro teuren „Campers“. Ein kurzer Druck auf die andere Taste der Fernbedienung und schon verlässt der Smart wieder fast geräuschlos den Bauch des rollenden Luxuswagens. Der Mann mit der Fernbedienung am Stand von Variomobil ist Heiko Hülsmann und bemerkt so ganz nebenbei: „Ich habe diese Pkw-Plattform für meine Diplomarbeit gebaut. Das gab es damals nicht.“ Das ist nun schon über 20 Jahre her. Trotzdem gilt auch 2025: Der Caravan-Salon, der heute in Düsseldorf begann, ist voller Innovationen.
Die Pkw-Plattform ist nur ein – wenn auch luxuriöses – Beispiel des Ideenwettbewerbs der über 800 Aussteller. Denn: Obwohl die Branche nur am, nicht im Wasser ihr Zuhause findet, weht ihr Gegenwind ins Gesicht, pardon, vor die mal mehr oder weniger abgeschrägte Frontscheibe. Die konjunkturelle und weltpolitische Lage lädt gerade kaum zu Investitionen jenseits von mittleren fünfstelligen (klein angefangenen) Summen ein. Vielleicht passt in diese Zeit die Dachzelt-Flotte (schon wieder Wasser) von Vickywood. Das Einsteigerzelt „Little Bamboo 125“ wiegt gerade mal 43 Kilogramm inklusive Leiter und kostet knapp 1.000 Euro. Und wo bleibt die Innovation? Wie eine Dachbox wird das Leichtgewicht auf die Dachträger geschraubt und bei Bedarf ausgeklappt. Angeblich sollen darin in der größten Variante fünf Personen einen Schlafplatz finden, was eher für Winter- statt Sommercamping spricht. Andererseits können auch Pendler diese Schlafeinrichtung für die Mittagspause nutzen – natürlich nur bei Bedarf. Allerdings hat Vickywood eine andere Zielgruppe im Visier: Einsteiger und junge Leute, die sich halt keinen teuren Mobilurlaub leisten können. Schließlich liegt der höchste Preis des Dachschlafplatzes bei 4.000 Euro. Wie gesagt, mit Leiter, aber ohne Dusche.
Ohne Dusche ist ein passendes Stichwort für die nächste Innovation. Angepriesen als „absetzbarer Camper“ ist das ganze Design futuristisch und erinnert zuerst an eine neue Variante des Batmobils. In Anthrazit, fast schwarz, präsentiert Hotomobil den „Cyberglad“, der exklusiv für den Cybertruck von Tesla entwickelt wurde. Dieser absetzbare Truck-Camper thront auf dem Rücken des texanischen Vehikels und ist ein absoluter Hingucker. Revolutionär – so die Vermarkter – sei der Design- und Konstruktionsansatz. Um die Urlaubskabine auf den Truck zu montieren, sei ein praktisches Plug & Play entwickelt worden, das es erlaubt, die Kabine zu beladen, ohne die Tragfähigkeit des Autos zu überfordern.
Eindrucksvoll demonstriert Hotomobil die Stabilität der Kabine. Mit einem Baseballschläger kann eine Demoplatte des Verbundstoffes bearbeitet werden. Damit keine Zweifel aufkommen und um es deutlich zu schreiben: Mit dem Baseballschläger wird wuchtig auf diese Platte geschlagen, nicht auf den Cybertruck – selbst wenn es in den Fingern juckt und die Fantasie Kapriolen schlägt. Der Einstiegspreis liegt bei knapp 60.000 Euro. Übrigens: Urlaubskabinen gibt’s auch für andere Modelle.
Wo wir schon dabei sind: E‑Mobilität. Derzeit immer noch eine Nische in der Caravaning- und Reisemobilszene. Wenn überhaupt, steigen Caravaner auf Hybridmodelle um, um die Power und Reichweite für einen Urlaub zu besitzen. Über Studien reichen die Reisemobile mit einem Elektromotor nicht hinaus. Dabei sind die beiden Faktoren Reichweite und Gewicht ausschlaggebend. Die meisten heutigen Führerscheine sind nur bis maximal 3,5 Tonnen zugelassen – ein Gesamtgewicht, das die Babyboomer mit ihrem „3er Lappen“ sanft belächeln, was die Branche jedoch aktuell selbst beim Wintercamping Schweißperlen auf die Stirn treibt. Und so dreht sich in der Szene viel – wie im richtigen Leben – um Gewichtsreduktion. Beim Hersteller Dethleffs kommt noch das Thema „Nachhaltigkeit“ dazu. Im e.home.Eco finden sich nachhaltige und leichte Stoffe. Sandwichplatten aus Flachs, als Isolierung ein Spezialschaum aus recycelten PET-Flaschen oder Popcornplatten für die Tischplatte unterstreichen den ökologischen Charakter der Studie. Genau, das Fahrzeug ist erst einmal eine Studie mit 250 Kilometern Reichweite. Amsterdam, Gent, Metz und so gerade mal Hannover könnten derzeit mit einer Batterieladung erreicht werden. Eine passende Ladesäule vor Ort würde die Kapazität innerhalb von 28 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen. In zwei bis drei Jahren, nach mehr Erfahrung und einer nächsten Studie, soll das Modell allerdings in Serie gehen.
Der Caravan-Salon in Düsseldorf läuft noch bis zum 7. September täglich von 10 bis 18 Uhr. Tickets nur online.

Mit einem Baseballschläger kann eine Demoplatte des Verbundstoffes bearbeitet werden. © Lokalbüro