Obst­baum­blüte im Natur­schutz­ge­biet Urden­ba­cher Kämpe,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Garten‑, Fried­hofs- und Forstamt

 

Die Untere Natur­schutz­be­hörde führt in die­sem Herbst an ver­schie­de­nen Stel­len in Düs­sel­dor­fer Natur­schutz­ge­bie­ten Pflege- und Ent­wick­lungs­maß­nah­men durch. Ziel ist der Schutz beson­ders bedeu­ten­der Bio­tope sowie die Schaf­fung von Bio­to­pen, die im Stadt­ge­biet unter­re­prä­sen­tiert sind.

Him­mel­geis­ter Rheinbogen
In Rich­tung Süden zweigt von der Niko­laus­straße ein Feld­weg in das Natur­schutz­ge­biet “Him­mel­geis­ter Rhein­bo­gen” ab. Auf den angren­zen­den Wie­sen steht eine Viel­zahl von Kopf­wei­den, die über­wie­gend über­al­tert sind und einen dem­entspre­chen­den Habi­tus auf­wei­sen. Der Erhalt die­ses beson­de­ren Bio­to­pes “Kopf­weide” erfor­dert den Rück­schnitt der Stämm­linge ober­halb des Stam­mes in einem Rhyth­mus von etwa fünf Jah­ren. Ohne Rück­schnitt wer­den die Stämm­linge zu schwer und ihre Last führt dazu, dass die Kopf­wei­den­stämme aus­ein­an­der bre­chen und als Lebens­raum für dar­auf ange­wie­sene Tier­ar­ten ver­lo­ren gehen. Ins­ge­samt ste­hen auf den Wie­sen rund 250 Kopf­wei­den; jähr­lich wer­den rund ein Fünf­tel davon geschnit­ten, so dass ver­schie­dene Ent­wick­lungs­sta­dien der Kopf­bäume neben­ein­an­der ste­hen. Die Kopf­bäume bil­den zusam­men mit den Wie­sen und Wei­den den Lebens­raum zum Bei­spiel für den sel­te­nen Stein­kauz, der mit meh­re­ren Paa­ren im Him­mel­geis­ter Rhein­bo­gen brütet.

Urden­ba­cher Kämpe
Bereits seit eini­gen Jah­ren führt die Untere Natur­schutz­be­hörde Düs­sel­dorf (UNB) Maß­nah­men durch, um das in Zusam­men­ar­beit mit der Bio­lo­gi­schen Sta­tion Haus Bür­gel erar­bei­tete Pfle­ge­kon­zept für die ver­schie­de­nen Bio­tope in der Urden­ba­cher Kämpe umzu­set­zen. Ziel die­ses Kon­zep­tes ist es, die sel­te­nen und beson­ders schutz­wür­di­gen Bio­top­ty­pen in ihrem Bestand zu sichern und zu entwickeln.

Obst­wie­sen sind ein das Land­schafts­bild in der Urden­ba­cher Kämpe prä­gen­der Bio­top­typ. Im Früh­jahr beein­dru­cken sie die Erho­lungs­su­chen­den durch ihren Blü­ten­reich­tum, zudem sind auch aus natur­schutz­fach­li­cher Sicht wert­volle Bestand­teile des Land­schafts­rau­mes, die den Lebens­raum für eine viel­fäl­tige Fauna und Flora bil­den. Damit eine opti­male Ent­wick­lung der Obst­bäume erfol­gen kann, benö­ti­gen diese Licht. Auf der Wiese nörd­lich des Ort­we­ges ver­schat­ten zum Bei­spiel vier große Pap­peln und ein klei­ne­rer Baum die Wiese und füh­ren zu einer Beein­träch­ti­gung der Obst­bäume. Die Bäume wer­den daher in die­sem Win­ter gefällt. In den kom­men­den Jah­ren kann die Obst­wiese dann durch die Pflan­zung von jun­gen Bäu­men sel­te­ner Obst­sor­ten kom­plet­tiert und ihr Bestehen gesi­chert werden.

Ein wei­te­rer cha­rak­te­ris­ti­scher Lebens­raum­typ der Urden­ba­cher Kämpe sind die Flut­mul­den. Ein Sei­ten­arm einer Flut­mulde ver­läuft senk­recht zur Straße Baum­ber­ger Weg. Die ehe­ma­li­gen Wei­den­flä­chen sind inzwi­schen von Wei­den­wild­wuchs stark beschat­tet, so dass sich ein Bestand des Indi­schen Spring­krau­tes ent­wi­ckelt hat. Das Spring­kraut und die Beschat­tung durch die Wei­den bewir­ken, dass sich stand­ort­ty­pi­sche Wie­sen­ar­ten nicht ent­wi­ckeln kön­nen. Des­halb wer­den die Wei­den und Pap­peln ent­nom­men. Drei Wei­den wer­den zu Kopf­wei­den ent­wi­ckelt. Danach kann die Flä­che wie­der als exten­sive Weide genutzt werden.

Auf der gegen­über­lie­gen­den Flä­che befin­det sich der Rest einer Lin­den­al­lee, der voll­kom­men unter Strauch­wuchs ver­schwin­det und in sei­nem Allee­cha­rak­ter nicht mehr erkenn­bar ist. Der Unter­wuchs aus Sträu­chern soll besei­tigt wer­den, um die Lin­den frei zu stel­len und als Allee wie­der erfahr­bar zu machen.

Eben­falls am Baum­ber­ger Weg haben sich die als Stra­ßen­bäume gepflanz­ten Sil­ber­pap­peln ver­mehrt, so dass auf einer klei­nen Flä­che ein hoch­ragen­des Sil­ber­pap­pel-Gebüsch ent­stan­den ist. Die Bäume ver­brei­ten sich über Wur­zel­aus­läu­fer in die angren­zen­den Wie­sen und beein­träch­ti­gen die Nut­zung und die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten der Wiese, sie wer­den daher gero­det und die Flä­che ein­ge­sät. Ein Teil der Wiese ist als FFH-Lebens­raum­typ “Flach­land-Mäh­wiese”
ein­ge­stuft und dahin­ge­hend soll sich auch der Rest der Wiese ent­wi­ckeln können.
Auch aus einer nord­öst­lich des Baum­ber­ger Weges ver­lau­fen­den, sehr dicht ste­hen­den Pap­pel­reihe sol­len vier Bäume ent­fernt wer­den. Die Baum­reihe soll dadurch licht­durch­läs­si­ger wer­den, so dass die Ver­schat­tung des nörd­lich angren­zen­den FFH-Lebens­raum­typs “Flach­land-Mäh­wiese”
ver­rin­gert wird.

Süd­lich des Stüm­pe­we­ges liegt die Lebel-Wiese, so genannt, weil die vor­herr­schende Sorte der Obst­bäume der Sorte “Jakob Lebel” sind. Sie wird im Süd­os­ten und Süden von hoch­ge­wach­se­nen Pap­peln beschat­tet und in ihrer Ent­wick­lung beein­träch­tigt. Die Ent­nahme von vier alten Pap­peln auf der süd­öst­li­chen Seite führt zu einem höhe­ren Licht­ein­fall, auf den die Obst­bäume zum Gedei­hen ange­wie­sen sind. An der süd­west­li­chen Ecke der Wiese wird die Krone einer alten Pap­pel gekappt, um den ent­ste­hen­den Torso als Lebens­raum für tot­holz­be­woh­nende oder davon lebende Insek­ten­ar­ten zu entwickeln.

Obst­baum­pflege
Im Bereich der Stra­ßen Ort­weg, Am Aus­le­ger und Enge Gasse lie­gen die meis­ten Obst­wie­sen der Urden­ba­cher Kämpe. Auch in die­sem Win­ter inves­tie­ren das Gar­ten­amt der Stadt und die Bio­sta­tion erheb­li­che Mit­tel in den Schnitt der Obst­bäume. Jedes Jahr wer­den stadt­weit 1.000 Obst­bäume von Mit­ar­bei­tern des Gar­ten­am­tes oder beauf­trag­ten Fach­fir­men gepflegt. Der Schnitt soll bei jun­gen Obst­bäu­men die Ent­wick­lung der Krone steu­ern; in die­sem Sta­dium wird die Grund­lage für ein Ast­ge­rüst ent­wi­ckelt, das sta­bil genug ist, um einen rei­chen Frucht­be­hang ent­wi­ckeln und bis zur Reife tra­gen zu kön­nen. Bei älte­ren Bäu­men dient der Schnitt dem Erhalt der auf­ge­bau­ten Krone; hier wer­den vor­wie­gend Äste ent­fernt, die sich gegen­sei­tig beschat­ten. An älte­ren Bäu­men wird nur kran­kes und totes Holz ent­nom­men, mit dem Ziel, die Sta­tik des Bau­mes zu ver­bes­sern und gerade auch Exem­plare, die Höh­len in Stamm und Ästen auf­wei­sen, mög­lichst lange zu erhalten.

Ins­ge­samt wird das Gar­ten­amt für Pfle­ge­maß­nah­men im kom­men­den Win­ter 120.000 Euro auf­wen­den. Die Maß­nah­men in der Urden­ba­cher Kämpe (mit Aus­nahme der Obst­baum­pflege) wer­den von der Bezirks­re­gie­rung mit Lan­des­mit­teln aus dem För­der­pro­gramm “Richt­li­nien inves­ti­ver Natur­schutz-Manage­ment­pläne” mit bis zu 80 Pro­zent der Kos­ten geför­dert. Der Eigen­an­teil wird durch die Stadt Düs­sel­dorf finan­ziert. Die Pflege der Kopf­wei­den im Him­mel­geis­ter Rhein­bo­gen wird durch pri­vate Spen­den­gel­der ermöglicht.

Die Arbei­ten wer­den über­wie­gend im Zeit­raum Ende Okto­ber 2020 bis Ende Februar 2021 durch­ge­führt; der Obst­baum­schnitt wird bis Ende März 2021 erfolgen.

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