Archiv­bild Oscar Bruch Foto: LOKALBÜRO

 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Minis­ter­präsiden­ten/innen und Minister/innen

Ich möchte Sie bit­ten, sich etwas Zeit für uns Schau­stel­ler zu neh­men.

Wir sind Schau­stel­ler mit Herz und Seele. Wir sind viel­fäl­tig wie kaum eine andere Bran­che. Es mag sein, dass wir in den ver­gan­ge­nen Mona­ten häu­fig sauer und pol­ternd gewe­sen sind, aber wir sind boden­stän­dig und rea­lis­tisch genug, um zu erken­nen, dass es unsere Bran­che mit am här­tes­ten getrof­fen hat. Und dies wird wohl auch noch län­gere Zeit uner­bitt­lich so wei­ter­ge­hen.

Wie Sie wis­sen, sind auch für die­ses Jahr schon wie­der viele Volks­feste abge­sagt wor­den. Die Per­spek­ti­ven sind für uns, unsere Fami­lien und unsere Mit­ar­bei­ter düster.

Uns zit­tern die Hände während wir diese Zei­len schrei­ben, da sich für uns momen­tan —  ohne zu über­trei­ben — exis­ten­ti­elle Fra­gen stel­len. Es geht um die Exis­tenz unse­rer gesam­ten Bran­che, in die wir meist hin­ein­ge­bo­ren wor­den sind.  So wie wir es von Kin­des­bei­nen an gelehrt wur­den, möch­ten wir ver­su­chen Hal­tung zu bewah­ren, mit der Situa­tion ver­ant­wor­tungs­be­wusst  ‑wir wir es immer waren und sind — fer­tig zu wer­den.

Wir ver­zich­ten wie viele Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger auf so vie­les ohne zu mur­ren, aber wir sehen gerade wie in unse­rem Umfeld ohne Rück­halt die meis­ten Lebens­werke, die über Genera­tio­nen auf­ge­baut wur­den, jäm­mer­lich und hilf­los zugrunde gehen.

Wir lei­hen uns Geld bei Eltern und Freun­den, uns wer­den Kon­ten von Kran­ken­kas­sen oder dem Finanz­amt gesperrt, und ein gro­ßer Teil von uns ist hart ver­schul­detweil die ange­kün­dig­ten Hil­fen von Novem­ber und Dezem­ber 2020 immer noch nicht aus­ge­zahlt wor­den sind. Unsere jah­re­lan­gen Mit­ar­bei­ter wech­sekn in andere Branchen.

Viele von uns arbei­ten wie gewohnt an ihren Geschäf­ten. Sie machen alles klar für eine unge­wisse Sai­son —  und dies mit mitt­ler­wei­len lee­ren Kas­sen. Man­che von uns wer­den lang­sam mürbe. Viele ver­lie­ren dem Lebens­mut. Die Ner­ven lie­gen blank.

Es sind teils dra­ma­ti­sche Nach­rich­ten, die uns errei­chen — auch und gerade wegen der so lange anhal­ten­den Ungewissheit.

Wir haben uns das alles über Jahr­zehnte auf­ge­baut. Die Schau­stel­ler haben ihren Teil zum Wohl­stand die­ses Lan­des bei­getra­gen und mit dem Beschi­cken unse­rer Tra­di­ti­ons­volks­feste, der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für Tou­ris­ten ein umso sym­pa­thi­scheres Gesicht für Besu­cher aus der gan­zen Welt gege­ben. Schau­stel­ler  haben seit je her tag­täg­lich 10 bis 16 Stun­den geackert, ob an den Wochen­en­den oder Fei­er­ta­gen!

Wir haben uns dar­über nicht beschwert, obwohl es uns schon vor der Pan­de­mie nicht beson­ders gut ging. Aber jetzt geht es für uns um alles.

Des­halb unter­brei­ten wir Ihnen unsere ein­dring­li­che Bitte:

Wir benö­ti­gen einen Plan. OHNE AUFSCHUB

Unsere Ange­stell­ten lau­fen uns momen­tan sys­te­ma­tisch davon, um in andere Bran­chen zu wech­seln.Der dra­ma­ti­sche Fach­ar­bei­ter­man­gel bestand bereits vor Corona.

Wir möch­ten alle wie­der öff­nen, arbei­ten! Natür­lich mit ange­pass­ten Hygie­nekon­zep­ten. Aber nicht um jeden Preis und mit der nöti­gen Vor­lauf­zeit. Aber vor allem auch mit der Garan­tie, dass wir nicht ein paar Tage spä­ter wie­der schlie­ßen müs­sen.

Wir bit­ten Sie wirk­lich alles in Bewe­gung zu set­zen, damit die Hil­fen für Novem­ber und Dezem­ber end­lich aus­ge­zahlt werden.

Momen­tan brau­chen wir akut Liqui­dität. Wir sind nicht mehr in der Lage 2–3 Monats­wech­sel vorzustre­cken.

Wir Schau­stel­ler sind für die­ses Land und seine Men­schen da, und wir neh­men diese Pan­de­mie sehr ernst.

Wir möch­ten siche­rere Orte für Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten und Brauch­tum anbie­ten und garantieren.

Genau aus die­sem Grund sind Volks­feste siche­rer als öffent­li­che Plätze und Fuß­gän­ger­zo­nen. Wenn Sie in der Innen­stadt fla­nie­ren oder am Rhein spa­zie­ren, ist die Besu­cher­dichte grö­ßer als auf einer Ver­an­stal­tungs­flä­che mit defi­nier­ten Besu­cher­zah­len und einem aus­ge­ar­bei­te­ten Hygie­nekon­zept. Dies konn­ten die Schau­stel­ler anläss­lich eini­ger weni­ger Son­der­ver­an­stal­tun­gen unter Beweis stel­len. Lei­der waren dies nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein und resü­mier­ten sich letz­ten Endes in dem Spruch: « Außer Spe­sen nichts gewesen. »

Bereits im letz­ten Jahr wur­den alle Volks­feste in Deutsch­land abge­sagt, unsere letz­ten regu­lä­ren Ein­nah­men waren im Dezem­ber 2019!

Wenn es eine Zukunft für Kir­mes­sen, Schüt­zen­feste, Wie­sen, Wasen und Weih­nachts­märkte geben soll, dann grei­fen Sie uns bitte jetzt unter die Arme.

Wir brau­chen in die­sem Augen­blick die ver­spro­che­nen Gel­der, um die nächste Zeit über­ste­hen zu kön­nen. Wir benö­ti­gen drin­gend eine Per­spek­tive, um in klei­nen Schrit­ten wie­der ans Laufen zu kom­men.

Zusam­men mit der Schau­stel­lerei ste­hen ins­ge­samt große Teile des deut­schen Brauch­tums auf der Kippe.

Zusam­men sind wir stark! Wir brau­chen Sie und Sie brau­chen uns.