Der Anbau wird auf einem Beton­fun­da­ment und einem Beton­kern im Bereich des Innen­hofs in Holz­bau­weise gebaut. Zukünf­tig wird dann im Anbau der Rund­gang durch die Aus­stel­lung starten,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

 

Der Anbau nimmt wei­ter Form an/Fertigstellung des Muse­ums ver­schiebt sich nach der­zei­ti­gem Stand ins 3. Quar­tal 2022

Die Sanie­rung und Erwei­te­rung des his­to­ri­schen Schu­mann-Hau­ses an der Bil­ker Straße 15 als leben­di­ger Erin­ne­rungs­ort an das Musik­erehe­paar Clara und Robert Schu­mann in der Carl­stadt nimmt Gestalt an. Im Innen­hof des Hau­ses haben die Zim­mer­ar­bei­ten zur Errich­tung des Anbaus begon­nen. Die­ser Anbau erwei­tert die Flä­chen des geplan­ten Schu­mann-Hau­ses um 120 Qua­drat­me­ter und wird auch die Auf­zugs­an­lage des Muse­ums beherbergen.

Der Anbau ent­steht in Holzbauweise
Der Anbau wird auf einem Beton­fun­da­ment und einem Beton­kern im Bereich des Innen­hofs in Holz­bau­weise errich­tet. Der Grund: Weil der Neu­bau unter ande­rem über einem klei­nen, his­to­ri­schen Anbau im Hof errich­tet wird, musste eine leichte Bau­weise gewählt wer­den und nicht die übli­che Beton­bau­weise. Die Holz­bau­weise hat einen wei­te­ren Vor­teil: Der Anbau samt Dach soll bereits Anfang nächs­ten Jah­res soweit fer­tig sein, dass der Innen­aus­bau begin­nen kann. Zukünf­tig wird dann im Anbau der Rund­gang durch die Aus­stel­lung starten.

Die Pla­nung und Umset­zung des Anbaus war nur eine der vie­len Her­aus­for­de­run­gen für das auf his­to­ri­sche Bau­ten spe­zia­li­sierte Archi­tek­tur­büro aus Kre­feld. Bereits bei den Aus­schach­tungs­ar­bei­ten für den Anbau musste immer wie­der auf neue Funde, wie die Fun­da­mente des alten Fes­tungs­bau­werks und Erkennt­nisse reagiert wer­den. Zudem führ­ten Her­aus­for­de­run­gen der Pan­de­mie zu wei­te­ren Ver­zö­ge­run­gen: Mate­ri­al­knapp­heit, lange Lie­fer­zei­ten und ein erhöh­ter Abstim­mungs­auf­wand machen sich bemerk­bar. Der Ter­min­plan musste dar­auf­hin noch­mals ange­passt werden.

Arbei­ten am Vorderhaus
Auch im Vor­der­haus lau­fen die Arbei­ten: Wo bis vor eini­gen Wochen noch die his­to­ri­schen Fens­ter­flü­gel hin­gen, sind momen­tan Holz­plat­ten ein­ge­setzt: Die Fens­ter wer­den wie die Innen­tü­ren, hin­ter denen die Schu­manns gewohnt hat­ten, in den Werk­stät­ten behut­sam restau­riert. Vor Ort geschieht dies mit den Zar­gen und ande­ren wand­fes­ten Aus­bau­tei­len. Die Stuck­de­cken der Muse­ums­räume sind bereits restau­riert – Fehl­stel­len wur­den ergänzt, aber die vie­len Schich­ten und Spu­ren der Geschichte bewahrt.

In der Tor­durch­fahrt legen die Restau­ra­to­rin­nen aktu­ell eine Scha­blo­nen­ma­le­rei frei, die sti­li­sierte Fische zeigt: Ein Wand­schmuck des Fisch­händ­lers Maas­sen, der das Schu­mann-Haus nach 1900 beses­sen und bekannt­lich damals die bei­den Hin­ter­häu­ser errich­ten ließ. So soll die ganze Geschichte des Schu­mann-Hau­ses sicht­bar werden.

Auch die Fas­sade wird sich im neuen Jahr ver­än­dern. Wo heute ein­heit­li­ches Weiß sicht­bar ist, wird es künf­tig bun­ter. Wie die Restau­ra­to­rin­nen her­aus­ge­fun­den haben, sind die Ein­fas­sun­gen der Fens­ter und des Tors sowie das prä­gnante Gesims aus Ande­sit, einem blau­grauen Werk­stein. Die­ser hat eine fein gear­bei­tete Ober­flä­che, die wie­der sicht­bar wer­den soll. Auch der Sockel wird wie­der eine andere Farbe als die Fas­sade haben — alles eng im part­ner­schaft­li­chen Ein­ver­neh­men mit der Denkmalbehörde.

Fer­tig­stel­lung und Baukosten
Die Sanie­rung des Schu­mann-Hau­ses hatte im Okto­ber 2019 begon­nen. Die Fer­tig­stel­lung des Muse­ums ist nach der­zei­ti­ger Pla­nung unter Berück­sich­ti­gung der vor­ge­nann­ten Ver­zö­ge­run­gen im 3. Quar­tal 2022 geplant. Zeit­li­che Risi­ken bestehen aller­dings wei­ter­hin durch das Pan­de­mie­ge­sche­hen, die sich in anhal­ten­den Beschaf­fungs­schwie­rig­kei­ten und mög­li­chen Redu­zie­run­gen der Per­so­nal­stärke auf der Bau­stelle äußern.

Die Bau­maß­nahme bleibt nach der­zei­ti­gen Erkennt­nis­sen trotz der zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen im Rah­men der vom Ände­rungs­be­schluss im Sep­tem­ber bewil­lig­ten rund 5,13 Mil­lio­nen Euro. Die ursprüng­li­che Kos­ten­be­rech­nung zum Aus­füh­rungs- und Finan­zie­rungs­be­schluss im Sep­tem­ber 2018 hatte rund 3,6 Mil­lio­nen Euro betragen.

Den Gesamt­kos­ten ste­hen Dritt­mit­tel von ins­ge­samt 470.000 Euro gegen­über. Die Nord­rhein-West­fa­len-Stif­tung Natur­schutz, Hei­mat und Kul­tur­pflege för­dert die denk­mal­ge­rechte Sanie­rung des Hau­ses sowie Maß­nah­men zur Bar­rie­re­frei­heit mit einer Summe von 370.000 Euro, die mit Unter­stüt­zung des För­der­ver­eins Schu­mann-Haus Düs­sel­dorf e.V. ein­ge­wor­ben wer­den konnte. Zudem för­dert die Ilse­lore-Luc­kow-Stif­tung die Sanie­rung und den Umbau des his­to­ri­schen Gebäu­des mit 100.000 Euro. Die För­de­rung der Ilse­lore-Luc­kow-Stif­tung soll für die Fas­sade des neuen Anbaus genutzt wer­den. Für die ener­ge­ti­sche Dach­sa­nie­rung und die Erneue­rung der LED-Beleuch­tung wur­den zudem Mit­tel von 200.000 Euro aus dem Kli­ma­schutz­etat bewilligt.

Der För­der­ver­ein Schu­mann-Haus Düs­sel­dorf e.V. stif­tet 728.000 Euro für die gesamte Aus­stat­tung des Museums.

Obere Eta­gen des Schumann-Hauses
Mit den Mie­tern des 2. Ober­ge­schos­ses und des Dach­ge­schos­ses konnte eine Eini­gung her­bei­ge­führt wer­den, die bei­den obe­ren Eta­gen nun­mehr für interne, museale Zwe­cke ein­pla­nen zu kön­nen. In dem Ände­rungs­be­schluss im Sep­tem­ber 2021 gab der Stadt­rat auch dafür grü­nes Licht, so dass diese Flä­chen für das Museum genutzt wer­den kön­nen. Erst danach konnte mit der Pla­nung für die Räume des Muse­ums in die­sen Berei­chen begon­nen wer­den. Für die Her­rich­tung der bei­den obe­ren Eta­gen sind unter ande­rem die Sanitär‑, Hei­zungs- und Elek­tro­an­la­gen zu erneu­ern, für den neuen Raum zur Zwi­schen­la­ge­rung von Expo­na­ten der Ein­bau einer Kli­ma­split-Anlage sowie die Erwei­te­rung der Ein­bruch­mel­de­an­lage erfor­der­lich. Zudem soll das Dach ener­ge­tisch mit neuer Däm­mung und Dach­ein­de­ckung ein­schließ­lich Aus­tausch der geschä­dig­ten Dach­flä­chen­fens­ter auf­ge­wer­tet wer­den. Auch der his­to­ri­sche Holz­bo­den muss saniert und begra­digt wer­den. Bei einer erneu­ten sta­ti­schen Bestands­auf­nahme der Alt­bau­sub­stanz wur­den dort wei­tere Pro­bleme, wie Fas­sa­den­risse oder punk­tu­elle Schä­di­gun­gen der Auf­la­ger der Stahl­trä­ger­de­cke mit Beton­kap­pen ent­deckt, die beho­ben wer­den müssen.

Hin­ter­grund: Schumann-Haus
Das Schu­mann-Haus wird auf­wän­dig denk­mal­ge­recht saniert, erwei­tert und zu einem leben­di­gen Erin­ne­rungs­ort an Clara und Robert Schu­mann aus­ge­baut. Das Gebäude an der Bil­ker Straße 15 ist das ein­zige in sei­ner his­to­ri­schen Bau­sub­stanz erhal­tene Wohn­haus der Fami­lie und hat damit einen beson­de­ren his­to­ri­schen Wert. Clara Schu­mann war eine der bedeu­tends­ten Pia­nis­tin­nen ihrer Zeit und trug dazu bei, die heu­tige Lan­des­haupt­stadt als Musik­stadt zu prä­gen. Der städ­ti­sche Musik­di­rek­tor Robert Schu­mann schuf fast ein Drit­tel sei­nes kom­po­si­to­ri­schen Gesamt­werks in Düs­sel­dorf. Das zukünf­tig ent­ste­hende Schu­mann-Haus wird Teile der umfäng­li­chen Schu­mann-Samm­lung der Stadt, die ins­ge­samt rund 1.000 Objekte und Kon­vo­lute umfasst und zu den bedeu­tends­ten Samm­lun­gen welt­weit zählt, öffent­lich machen.