“Komm und sieh!” – Das Film­mu­seum Düs­sel­dorf prä­sen­tiert eine Film­reihe mit allen Wer­ken des rus­si­schen Regis­seurs Elem Klimov.,©Filmmuseum Düsseldorf

 

Werk­schau mit allen Fil­men des berühm­ten rus­si­schen Regisseurs

Das Film­mu­seum Düs­sel­dorf, Schul­straße 4, prä­sen­tiert vom 2. bis 27. Februar eine Film­reihe mit allen Wer­ken des rus­si­schen Regis­seurs Elem Kli­mov. “Komm und sieh” lau­tet der Titel von Elem Kli­movs letz­tem Film, der zugleich als Höhe­punkt sei­nes Schaf­fens betrach­tet wird. Der Titel ist als kon­kre­ter Auf­ruf an das Publi­kum zu ver­ste­hen und lei­tet sich aus dem sechs­ten Kapi­tel der Offen­ba­rung des Johan­nes, dem letz­ten Buch des Neuen Tes­ta­ments, ab. Der Aus­ruf “Komm und sieh!” in den Ver­sen 1, 3, 5 und 7 bil­det dort die Auf­for­de­rung, die Ver­hee­run­gen zu betrach­ten, die von den vier Rei­tern der Apo­ka­lypse ange­rich­tet wur­den. In sei­nem gleich­na­mi­gen Film bezieht Kli­mov diese Schrift kon­kret auf den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ter­ror und defi­niert den christ­li­chen Begriff des “Tau­send­jäh­ri­gen Rei­ches” ent­ge­gen der völ­ki­schen Denk­weise als bloße Apo­ka­lypse, als das Ende einer Welt, wie man sie bis dahin kannte: “Idi i Smo­tri” (Komm und sieh, 1985).

Es ist nicht nur “Idi i Smo­tri”, der auf den Begriff der Apo­ka­lypse rekur­riert. So lässt sich die Auf­for­de­rung “Komm und sieh!” durch­aus auch auf “Ago­nija” (Ago­nia – Ras­pu­tin, Gott und Satan, 1981) und “Proscht­scha­nije” (Abschied von Mat­jora, 1983) bezie­hen. “Ago­nija” beschreibt in fast schon bru­ta­len Bil­dern den Zer­fall der rus­si­schen Zaren­herr­schaft und “Proscht­scha­nije” das Ende eines rus­si­schen Insel-Dor­fes, das den Aus­wüch­sen der Indus­trie wei­chen muss. Der Titel der Reihe dient also als Klam­mer für die Filme Kli­movs, die sein Werk maß­geb­lich defi­nie­ren. Die in Vene­dig prä­mierte Restau­rie­rung von “Idi i Smo­tri” bil­det dabei den Aus­gangs- und den Schluss­punkt die­ser Filmreihe.

Sein völ­lig gegen­sätz­li­ches Früh­werk, mit dem der Regis­seur in den 1960er-Jah­ren in Form von wit­zi­gen Sozi­al­sa­ti­ren und einer Halb­do­ku­men­ta­tion Publi­kums­er­folge in sei­ner Hei­mat erzielte, wurde im west­li­chen Raum kaum rezi­piert. Sein Hoch­schul-Abschluss­film “Dobro Pozha­l­o­vat, Ili Posto­ron­nim Vkhod Ospresh­chen” (Herz­lich will­kom­men oder: Unbe­fug­ten Ein­tritt ver­bo­ten, 1964), gefolgt von “Pokhozhdeniya Zub­nogo Vracha” (Die Aben­teuer eines Zahn­arz­tes, 1965) und die außer­ge­wöhn­lich ernste Doku­men­ta­tion “Sport, Sport, Sport” (1970) for­men den ers­ten Teil der chro­no­lo­gisch ange­leg­ten Werkschau.

Elem Kli­mov, Schü­ler von Michail Romm, gehörte neben Ser­gej Eisen­stein und Andrej Tar­kow­ski zu den bedeu­tends­ten Fil­me­ma­che­rin­nen und Fil­me­ma­chern der Sowjet­union. Die Pro­duk­ti­ons- und Dis­tri­bu­ti­ons­pro­zesse von Kli­movs Fil­men brauch­ten meis­tens sehr viel Zeit: Den mehr­jäh­ri­gen künst­le­ri­schen Schaf­fens­pha­sen folg­ten oft­mals strenge Zen­sur­maß­nah­men. Seine Filme wur­den gestoppt, ver­bo­ten, aus­ge­setzt und in die Gift­schränke ver­bannt. Auf­füh­run­gen konn­ten in Folge der staat­li­chen Repres­sion in der Regel erst Jahre nach Fer­tig­stel­lung statt­fin­den. Die Ernen­nung zum Ers­ten Sekre­tär des Ver­ban­des der Film­schaf­fen­den der UdSSR im Jahr 1986 ermög­lichte Elem Kli­mov die Ein­fluss­nahme auf die Film­wirt­schaft, sodass er die Frei­gabe bis­her zurück­ge­hal­te­ner Filme errei­chen konnte. Die­ser Pos­ten bedeu­tete das Ende sei­ner eige­nen Kar­riere als Regis­seur, sodass der Höhe­punkt sei­nes fil­mi­schen Schaf­fens zugleich den Beginn der Pere­stroika und (nach nur sechs Spiel­fil­men) sei­nen eige­nen Schluss­punkt markierte.

Pro­gramm Mitt­woch, 2. Februar, 20 Uhr und Sonn­tag, 27. Februar, 20 Uhr: Idi i Smo­tri – Komm und sieh UdSSR 1985; 147 Min.; OmU; digi­talDCP; FSK 16; Regie: Elem Kli­mov; Buch: Elem Kli­mov nach einer Vor­lage von Ales Ada­mo­witsch; Kamera: Ale­xei Rodi­o­now; Dar­stel­lende: Ale­xei Krawt­schenko, Olga Miro­nowa, Liubo­mi­ras Lauce­viˇcius u.a.

Frei­tag, 4. Februar, 19 Uhr: Dobro Pozha­l­o­vat, Ili Posto­ron­nim Vkhod Vos­presh­chen – Herz­lich will­kom­men oder Unbe­fug­ten Ein­tritt ver­bo­ten UdSSR 1964; 74 Min.; OmeU; digi­talDCP; ab 18; Regie: Elem Kli­mov; Buch: Semyon Lun­gin, Ilya Nusi­nov; Kamera: Ana­to­liy Kuz­net­sov; Dar­stel­lende: Evge­niy Evst­gneev, Arina Aleyni­kova, Ilya Rut­berg u.a. Es wird die restau­rierte Fas­sung aus dem Jahr 2015 gezeigt.

Sams­tag, 5. Februar, 20.45 Uhr: Pokhozhdeniya Zub­nogo Vracha – Die Aben­teuer eines Zahn­arz­tes UdSSR 1965; 82 Min.; OmU; 35mm; ab 18; Regie: Elem Kli­mov; Buch: Alek­sandr Volo­din; Kamera: Samuil Rubash­kin; Dar­stel­lende: And­rey Myag­kov, Vera Vasi­leva, Alisa Freynd­likh u.a.

Sonn­tag, 6. Februar, 17.30 Uhr: Sport, Sport, Sport UdSSR 1970; 85 Min.; OmeU; 35mm; ab 18; Regie: Elem Kli­mov; Buch: Ger­man Kli­mov, Bella Akh­ma­du­lina; Kamera: Boris Brozhovsky, Yuri Skhirt­ladze, Oleg Zgu­ridi; Dar­stel­lende: Zino­viy Gerdt, Geor­giy Svet­lani, Yelena Novozhi­l­ova u.a.

Mitt­woch, 9. Februar, 20 Uhr und Sonn­tag, 20. Februar, 15 Uhr: Ago­nija – Ago­nia – Ras­pu­tin, Gott und Satan UdSSR 1974/81; 148 Min.; DF; 35mm; FSK 12; Regie: Elem Kli­mov; Buch: Semyon Lun­gin, Ilya Nusi­nov; Kamera: Leo­nid Kalasch­ni­kow; Dar­stel­lende: Ale­xei Petrenko, Ana­toli Roma­schin, Velta Line

Frei­tag, 18. Februar, 18.45 Uhr und Mitt­woch, 23. Februar, 20 Uhr: Pro­sh­cha­nie – Abschied von Mat­jora UdSSR 1979/83; 107 Min.; DF; 35mm; FSK 12; Regie: Elem Kli­mov, Larissa Schepitko; Buch: Ger­man Kli­mov, Larissa Schepitko, Rudolf Tju­rin nach einer Vor­lage von Val­entn Ras­putn; Kamera: Wla­di­mir Chukhnow, Ale­xei Rodi­o­now, Juri Skhirt­ladze, Ser­gei Taras­kin; Dar­stel­lende: Ste­fanja Stan­juta, Lew Durow, Ale­xej Petrenko u.a.

Vorab: Larisa – Larissa UdSSR 1980; 25 Min.; OmU; 35mm; ab 18; Regie/Buch: Elem Klimov
Der Ein­tritt kos­tet sie­ben Euro, ermä­ßigt fünf Euro, mit Black-Box-Pass vier Euro. Die aktu­el­len Corona-Rege­lun­gen der Black Box fin­den Sie unter: https://www.duesseldorf.de/filmmuseum/aktuelles-presse/detailansicht-aktuelles/newsdetail/kino-in-zeiten-von-covid-19.html.