Stell­ten die Vor­trags­reihe vor: (v. r.) Dr. Joa­chim Schrö­der vom Erin­ne­rungs­ort Alter Schlacht­hof sowie Dr. Bas­tian Fleer­mann, Hil­de­gard Jakobs und Astrid Hirsch-von Bor­ries von der Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf ‚©Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf/David Young

 

Die Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf, der Erin­ne­rungs­ort Alter Schlacht­hof sowie die Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit laden zu der Ver­an­stal­tungs­reihe ein

Vor 80 Jah­ren, im Okto­ber 1941, began­nen die Depor­ta­tio­nen deut­scher Jüdin­nen und Juden “nach Osten”. Die Gestapo ließ im Herbst 1941 in einer ers­ten “Welle” bis zum Jah­res­wech­sel zehn­tau­sende Men­schen in Ghet­tos und Lager im besetz­ten Polen oder in der Sowjet­union ver­schlep­pen. Die ers­ten drei Trans­porte, die ihren Aus­gangs­punkt in Düs­sel­dorf hat­ten und über den städ­ti­schen Schlacht­hof und den Güter­bahn­hof im Stadt­teil Deren­dorf abge­wi­ckelt wur­den, führ­ten in die Ghet­tos in Łódź, Minsk und Riga. Diese Depor­ta­tio­nen fan­den im Okto­ber, Novem­ber und im Dezem­ber 1941 statt und betra­fen 3.002 jüdi­sche Men­schen aus dem gan­zen Regie­rungs­be­zirk Düsseldorf.

Mit einer drei­tei­li­gen Vor­trags­reihe erin­nern die Mahn- und Gedenk­stätte der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf, der Erin­ne­rungs­ort Alter Schlacht­hof an der Hoch­schule Düs­sel­dorf und die Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit Düs­sel­dorf an den Herbst 1941, an die Betrof­fe­nen und Opfer, aber auch an die Täter, die Pro­fi­teure und Zuschauer. Die drei Vor­träge fin­den in der Ber­ger Kir­che an den his­to­ri­schen Jah­res­ta­gen und in Ver­bin­dung mit den dies­jäh­ri­gen “Akti­ons­wo­chen gegen Anti­se­mi­tis­mus” statt.

Bei einem Pres­se­ge­spräch am Diens­tag, 26. Okto­ber, infor­mier­ten die Ver­an­stal­te­rin­nen und Ver­an­stal­ter über die his­to­ri­schen Hin­ter­gründe und die Ver­an­stal­tungs­reihe. Als Gesprächs­part­ne­rin­nen und ‑part­ner vor Ort waren Dr. Bas­tian Fleer­mann, Hil­de­gard Jakobs und Astrid Hirsch-von Bor­ries von der Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf sowie Dr. Joa­chim Schrö­der vom Erin­ne­rungs­ort Alter Schlachthof.

Dr. Bas­tian Fleer­mann, Lei­ter der Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf: “Wir erin­nern mit die­sen Ver­an­stal­tun­gen an die Opfer der dama­li­gen Depor­ta­tio­nen. Der Holo­caust begann als ein geplan­tes und von vie­len Betei­lig­ten orga­ni­sier­tes Ver­bre­chen inmit­ten unse­rer Städte. Die Lan­des­haupt­stadt und die Hoch­schule Düs­sel­dorf doku­men­tie­ren gemein­sam, dass dies auch hier bei uns in Düs­sel­dorf der Fall war.”

Dr. Joa­chim Schrö­der, Lei­ter des Erin­ne­rungs­or­tes Alter Schlacht­hof: “Die Depor­ta­tio­nen bil­de­ten den vor­läu­fi­gen Abschluss eines lan­gen Pro­zes­ses der Ent­rech­tung der jüdi­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Es war eine Ver­schlep­pung ins Unge­wisse, und die Ankunft im Ghetto war für alle ein schwe­rer Schock. Nur sehr wenige über­leb­ten den Holocaust.”

Die drei Vor­träge fin­den jeweils um 18 Uhr in der Ber­ger Kir­che, Wall­straße 17, statt:

Mitt­woch, 27. Okto­ber (Bereits ausgebucht)
Vor­trag von Hil­de­gard Jakobs: “Depor­tiert nach Łódź am 27. Okto­ber 1941”
Über die erste Depor­ta­tion berich­tet Hil­de­gard Jakobs, die stell­ver­tre­tende Lei­te­rin der Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf. Sie hat über die­sen Trans­port ein lang­jäh­ri­ges For­schungs­pro­jekt zusam­men mit Angela Gen­ger gelei­tet. Sie sind den Spu­ren der Depor­tier­ten gefolgt und haben Foto­gra­fien, Briefe und Doku­mente zusam­men­ge­tra­gen. Vor­ge­schichte und Ablauf des Trans­ports, die Ankunft und die Ein­ge­wöh­nung an die Ver­hält­nisse im Ghetto, Unter­kunft, Ver­sor­gung und Arbeits­all­tag wer­den anschau­lich geschil­dert. Anhand kon­kre­ter bio­gra­phi­scher Bei­spiele, bei­spiels­weise Rab­bi­ner Klein und sei­ner Frau Lilli, wird der Blick auf die betrof­fe­nen Men­schen, ihr Leid, ihre Über­le­bens­hoff­nun­gen und ihre indi­vi­du­el­len Lebens­um­stände in der Zwangs­ge­mein­schaft des Ghet­tos gelenkt. So ent­steht ein ein­dring­li­ches Zeug­nis des Völ­ker­mor­des an der jüdi­schen Bevöl­ke­rung, der auch in Düs­sel­dorf sei­nen Aus­gang nahm.
Bür­ger­meis­te­rin Klau­dia Zep­untke wird ein Gruß­wort sprechen.

Don­ners­tag, 10. November
Vor­trag von Dr. Bas­tian Fleer­mann: “Depor­tiert nach Minsk: Der Trans­port vom 10. Novem­ber 1941 in die weiß­rus­si­sche Hauptstadt”
Der Vor­trag von Dr. Bas­tian Fleer­mann erläu­tert die Umstände der zwei­ten gro­ßen Depor­ta­tion jüdi­scher Bür­ge­rin­nen und Bür­ger aus dem Regie­rungs­be­zirk. Die­ser fand am 10. Novem­ber 1941 statt und betraf 992 Men­schen aus den drei Städ­ten Düs­sel­dorf, Essen und Wup­per­tal. Das 2012 auf­ge­tauchte, recht umfang­rei­che Ver­laufs­pro­to­koll (“Bericht über Juden­eva­ku­ie­rung”) eines Düs­sel­dor­fer Schutz­po­li­zei­of­fi­ziers, der mit sei­nen Beam­ten den Trans­port beglei­tete und bewachte, ermög­licht als unmit­tel­bare Quelle Ein­bli­cke in den Ablauf und die Orga­ni­sa­tion einer sol­chen Ver­schlep­pung aus Sicht eines betei­lig­ten Täters.

Mitt­woch, 8. Dezember
Vor­trag von Dr. Joa­chim Schrö­der: “Ver­schleppt nach Riga: Die Depor­ta­tion am 11. Dezem­ber 1941”
In sei­nem Vor­trag berich­tet Dr. Joa­chim Schrö­der, Lei­ter des Erin­ne­rungs­or­tes Alter Schlacht­hof, über den Ver­lauf der drit­ten Mas­sen­de­por­ta­tion aus dem Regie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf. Sie nahm, wie die ers­ten bei­den Depor­ta­tio­nen, am Düs­sel­dor­fer Schlacht­hof ihren Aus­gang – genau dort, wo heute der Erin­ne­rungs­ort Alter Schlacht­hof diese Ver­bre­chen in sei­ner Dau­er­aus­stel­lung doku­men­tiert. Die ganze Nacht muss­ten die Men­schen in der kal­ten, schmut­zi­gen Vieh­halle aus­har­ren, vol­ler Unge­wiss­heit vor dem Kom­men­den: “In den Stein­trö­gen des Schlacht­hofs lagen Babies und Klein­kin­der und wein­ten die ganze Nacht”, erin­nerte sich spä­ter die Über­le­bende Hilde Sher­man-Zan­der aus Mön­chen­glad­bach. Die Gestapo ver­schleppte 1.007 Jüdin­nen und Juden, über­wie­gend aus dem links­rhei­ni­schen Gebiet, in das Ghetto in Riga. Der Trans­port hat es durch den über­lie­fer­ten, zyni­schen Bericht des Poli­zei-Offi­ziers Salit­ter, der ihn mit sei­nen Beam­ten über­wachte, zu einer trau­ri­gen Berühmt­heit gebracht. Anhand ver­schie­de­ner Augen­zeu­gen­be­richte von Über­le­ben­den wie Hilde Sher­man-Zan­der, Sophie Nathan, Lie­sel Gins­burg, Irene Dahl, Ilse Rübs­teck und ande­ren wird das Leben und Über­le­ben im Ghetto von Riga anschau­lich geschildert.

Der Ein­tritt ist für alle drei Prä­senz-Ver­an­stal­tun­gen frei. Eine vor­he­rige Anmel­dung ist auf­grund der begrenz­ten Teil­neh­men­den­zahl erfor­der­lich und tele­fo­nisch unter 0211–8996205 oder via E‑Mail an nicole.merten@duesseldorf.de mög­lich. Bitte beach­ten: Es gilt die “2G-Regel”: Für die Teil­nahme ist ein Nach­weis über eine voll­stän­dig abge­schlos­sene Imp­fung gegen COVID-19 oder über eine Gene­sung erforderlich.

Social-Media-Aktion
Der Erin­ne­rungs­ort Alter Schlacht­hof und die Mahn- und Gedenk­stätte haben zudem gemein­sam eine Aktion auf ihren Social-Media-Kanä­len gestar­tet: Seit Ende August läuft dort die Serie “Depor­tiert 1941”. Auf Insta­gram und Face­book kön­nen die Use­rin­nen und User mit­hilfe der Serie bis zum 15. Dezem­ber den Weg von drei Fami­lien (Fami­lie Klein, Fami­lie Herz und Fami­lie Nathan) nach­voll­zie­hen, die in die Ghet­tos Lodz, Minsk und Riga ver­schleppt wur­den. Auf Face­book unter de-de.facebook.com/MahnundGedenkstaetteDuesseldorf/ und de- de.facebook.com/Erinnerungsort-Alter-Schlachthof sowie auf Insta­gram unter “mahn_und_gedenkstaettedus” und “erinnerungsort_duesseldorf”.