Caro­lyn Farina (5.v.l.) bei der Zere­mo­nie für ihre Fami­lie, Bür­ger­meis­te­rin Klau­dia Zep­untke (neben ihr r.) sprach Worte des Gedenkens,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

 

Zere­mo­nie an der Rochus­straße in Anwe­sen­heit von Angehörigen

Wäh­rend der Corona-Pan­de­mie wur­den drei Stol­per­steine für die Fami­lie des Kan­tors der Jüdi­schen Gemeinde, Leo­pold Vogel, an der Rochus­straße 9 gelegt. Am heu­ti­gen Frei­tag, 22. Juli, gab es dort nun eine kleine Zere­mo­nie in Anwe­sen­heit der Enke­lin der Fami­lie, die eigens aus den USA ange­reist war. Beglei­tet wurde Caro­lyn Farina von ihrem Ehe­mann sowie ihren bei­den Söh­nen und deren Familien.

Bür­ger­meis­te­rin Klau­dia Zep­untke sprach Worte des Geden­kens für Leo­pold und Ilse Vogel sowie für Ilses Mut­ter Emma Hecht, die seit 1937 zum Haus­stand gehörte. Eben­falls anwe­send: der jet­zige Kan­tor der Jüdi­schen Gemeinde Düs­sel­dorf, Aaron Malin­sky, der Gebete sprach.

Caro­lyn Farina erin­nerte mit bewe­gen­den Wor­ten an ihre Vor­fah­ren. Eine Bewoh­ne­rin des Hau­ses zeigte der Enke­lin die Woh­nung, in der ihre Groß­el­tern einst lebten.

Leo­pold Vogel, gebo­ren am 25. Novem­ber 1895, stammte aus der Region süd­lich von Kas­sel. Ilse Vogel wurde am 21. Mai 1905 als Ilse Hecht in Salz­kot­ten in West­fa­len gebo­ren. Seit ihrer Hei­rat 1925 leb­ten Ilse und Leo­pold in Düs­sel­dorf. Ihre älteste Toch­ter Inge kam 1926 zur Welt, Lore folgte 1930.

Seit 1937 gehörte auch Sara Vogel, die ver­wit­wete Mut­ter von Leo­pold Vogel, zum Haus­stand in der Rochus­straße. 1939 gelang es Leo­pold und Ilse Vogel, ihre Toch­ter Lore mit nur neun Jah­ren mit einem Kin­der­trans­port nach Groß­bri­tan­nien zu schi­cken. Etwa einen Monat spä­ter konn­ten die Eltern auch Inge über die Kin­der­trans­porte nach Groß­bri­tan­nien in Sicher­heit brin­gen. 1941 zog Ilse Vogels Mut­ter Emma Hecht in die Rochusstraße.

Die Hoff­nung von Leo­pold und Inge Vogel, auch für sich eine Mög­lich­keit zur Aus­wan­de­rung zu fin­den, erfüllte sich nicht. Am 10. Novem­ber 1941 wur­den beide zusam­men mit wei­te­ren 991 Men­schen in das Ghetto Minsk depor­tiert. Sie haben nicht überlebt.

Sara Vogel und Emma Hecht waren nun allein in Düs­sel­dorf. Sie zogen wenige Tage nach der Depor­ta­tion ihrer Kin­der in das Alten­heim der Jüdi­schen Gemeinde an der Gra­fen­ber­ger Allee 78. Dort ver­starb Sara Vogel im Alter von 79 Jah­ren am 10. Mai 1942 und wurde auf dem Jüdi­schen Fried­hof beerdigt.

Sara Vogel blieb damit die Depor­ta­tion erspart. Emma Hecht hin­ge­gen wurde am 21. Juli 1942 von Düs­sel­dorf in das Ghetto The­re­si­en­stadt depor­tiert. Nur wenige Wochen spä­ter, am 21. Sep­tem­ber 1942, wurde die 68-Jäh­rige im Ver­nich­tungs­la­ger Treb­linka ermordet.