Fil­mu­seum Foto: LOKALBÜRO

 

Jubi­lä­ums­ver­an­stal­tung vom 19. bis 27. November

Im Jahr 1922 erschuf der welt­be­kannte Regis­seur Fritz Lang die Stumm­filme “Dr. Mabuse, der Spie­ler 1” und “Dr. Mabuse, der Spie­ler 2” und eröff­nete damit das Kino­zeit­al­ter des Thril­lers und Gangs­ter­films. Beide Teile ergän­zen sich zu einem Gesamt­werk. In der Black Box wer­den beide Teile am Sams­tag, 19. Novem­ber, 20 Uhr, und Sams­tag, 20. Novem­ber, 15 Uhr, als Wochen­end-Dop­pel­pro­gramm gezeigt. Der Stumm­film-Zwei­tei­ler wird an der his­to­ri­schen Welte-Kino­or­gel live begleitet.

Wil­fried Kaets und Nor­bert Krä­mer beglei­ten an der Kino­or­gel und am Schlag­werk mit bewusst neuen Tönen. Sie bewe­gen sich trotz­dem nah an der dra­ma­ti­schen Vor­lage und arbei­ten auch mit expe­ri­men­tel­len Klang­far­ben sowie Rhyth­men und Melo­dien, die die ver­stö­rende Atmo­sphäre des Stumm­film­klas­si­kers auf­grei­fen und emotionalisieren.

Dr. Mabuse ist Wahn­sin­ni­ger und Super­ver­bre­cher zugleich. Seine Wand­lungs­fä­hig­keit macht ihn zum unfass­ba­ren “Mann mit den 1000 Gesich­tern”, seine hyp­no­ti­schen Fähig­kei­ten machen seine Gegen­über gefü­gig. Er strebt die Welt­herr­schaft an. Mit die­ser Adap­tion eines Fort­set­zungs­ro­mans mar­kierte Lang den Über­gang vom deut­schen Expres­sio­nis­mus zur Neuen Sachlichkeit.

In bei­den Tei­len ver­dich­tet Fritz Lang den Stoff des Kol­por­ta­ge­ro­mans zu einem “Bild sei­ner Zeit”. Er defi­niert die deut­sche Gesell­schaft als ver­gnü­gungs- und sen­sa­ti­ons­lüs­tern, über­sät­tigt und über­reizt, die zu einem will­fäh­ri­gen Opfer von Dr. Mabuse wird. Par­al­lel bedient sich Lang spür­bar genüss­lich auch all jener Sen­sa­tio­nen, die ihm das Medium Film für die for­male Umset­zung eines sol­chen Unter­hal­tungs­ro­mans bereit­stellte: lange Ein­stel­lun­gen wer­den durch Dra­ma­tik erzeu­gende Kreis­blen­den auf­ge­lo­ckert; Dop­pel- und Mehr­fach­be­lich­tun­gen, ein­mon­tierte Schrif­ten und Signale sowie Zeit­raf­fer-Mani­pu­la­tio­nen unter­strei­chen die wahn­sin­ni­gen Taten Mabu­ses ebenso wie die beein­dru­cken­den Kos­tüme, mit denen er sich unkennt­lich macht.

Am dar­auf­fol­gen­den Wochen­ende zeigt das Film­mu­seum Fritz Langs “Das Tes­ta­ment des Dr. Mabuse” (Sams­tag, 26. Novem­ber, 19 Uhr, und Sonn­tag, 27. Novem­ber, 15 Uhr) aus dem Jahr 1933. Zehn Jahre nach “Dr. Mabuse, der Spie­ler” wird Dr. Mabuse wie­der aktiv. Aus sei­ner tris­ten Zelle eines Sana­to­ri­ums zieht er die Strip­pen und baut eine per­fekt orga­ni­sierte Ver­bre­cher­or­ga­ni­sa­tion auf. Sein Ziel ist dabei nicht mehr nur Reich­tum, son­dern die Macht inner­halb des Staates.

Zudem wird Fritz Langs letzte Regie­ar­beit aus dem Jahr 1960 gezeigt: “Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse” (Sams­tag, 26. Novem­ber, 21.15 Uhr, und Sonn­tag, 27. Novem­ber, 17.30 Uhr). Im Gegen­satz zu sei­nen Mabuse-Ver­fil­mun­gen der Wei­ma­rer Repu­blik ver­folgte der Regis­seur in sei­nem letz­ten Dr. Mabuse Film weni­ger poli­ti­sche oder sti­lis­ti­sche Ambi­tio­nen, son­dern erzählte eine düs­tere, rea­lis­ti­sche Geschichte, fast im Wochen­schaustil. Den­noch fin­den sich in der Hand­lung poli­ti­sche Impli­ka­tio­nen: Aspekte des Über­wa­chungs­staats und der Orwell‘schen Big-Brother-Thematik.

Der Ein­tritt ins Kino kos­tet sie­ben Euro, ermä­ßigt fünf Euro, mit Black-Box-Pass vier Euro. Der Ein­tritt für Stumm­filme beträgt neun Euro, ermä­ßigt sie­ben Euro, mit Black-Box-Pass sechs Euro. Kar­ten kön­nen tele­fo­nisch unter 0211–8992232 reser­viert werden.