Christian auf der Lake und Jonges Baas Wolfgang Rolshoven Foto: LOKALBÜRO

 

Alle zwei Jahre vergeben die Düsseldorfer Jonges den „Förderpreis für wissenschaftliche Studien“ in festlichem Rahmen. Der Preis geht in diesem Jahr an den an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) arbeitenden Sprachwissenschaftler Christian auf der Lake (38).

Die APP weist den Weg
In aller Regel bleibt Sprachwissenschaftlern die große Bühne versperrt. Es sei denn, ihre Forschung findet den Weg in die Lebenswirklichkeit. Die Jonges haben einen Leistungsträger der Bürgeruniversität mit dem Namen Heinrich Heine (HHU) aus dem elfenbeinernen Turm geholt. Baas Wolfgang Rolshoven und sein Vize Dr. Reinhold Hahlhege zeichneten den aus Essen stammenden Dr. Christian auf der Lake (38) mit dem mit 3000 Euro dotierten Jonges-Förderpreis für wissenschaftliche Studien aus. Im Beisein einer stattlichen Anzahl von akademischen Würdenträgern.

Ein lockerer, volksnaher und auch besonders spannender Abend. Auf der Lake, der auch Musikwissenschaftler ist und an der Schumann-Hochschule lehrt, ist ein Mann mit guten Nerven. Er hatte zur Preisverleihung im Henkel-Saal nicht nur seine Eltern mitgebracht, sondern auch seine hochschwangere Frau. Die will in einer Woche einen Sohn zur Welt bringen und betete darum, die Wehen möchten doch bitteschön nicht gleich im Henkel-Saal einsetzen. Der werdende Vater aufgeregt. Keine Spur.

Kinderkriegen ist eigentich ja Privatsache. Es war aber die Lehrstuhl-Inhaberin für Ältere deutsche Literatur an der HHU, Prof. Dr. Ricarda Bauschke-Hartung, die den „Umstand“ publik machte. Für manche im Saal der Hinweis auf ein gutes Miteinander unter den Germanisten. Am liebsten gleich würde die Professorin den 38 Jahre alten Preisträger auf ewig an die Uni binden.

Auf der Lake erforscht Sprache im öffentlichen Raum. Dabei kam er auf die Idee, den sprachlichen Fingerabdruck der Landeshauptstadt Düsseldorf zu archivieren. Ein ganze Jahr war er mit Seminaristen unterwegs, um Denkmal-Schriften oder Plakate zu archivieren – kurzum: alles, was die Stadt zu erzählen hat. An der HHU sind sie mächtig stolz, dass daraus ein Instrument für jedermann geworden ist. Eine Stadtsprachen-App, die man kostenfrei auf jedes Smartphone laden kann. Wenn man so will, ist ein digitaler Kulturpfad entstanden, den auf der Lake und Co. mit einem Navi-System verheiratet haben. Die App ist eine Stadtführung, die keinen menschlichen Stadtführer braucht.
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