D’r Zoch kütt!

Etwa 600.000 Jecken beju­bel­ten nach Anga­ben des Comi­tee Düs­sel­dor­fer Car­ne­val e.V. (CC) in der Lan­des­haupt­stadt ihren Rosen­mon­tags­zug stan­des­ge­mäß mit drei­fa­chem Helau. Gegen 13.30 Uhr stieg die Stim­mung am Rat­haus, als der “Zoch” auf den Markt­platz ein­bog. Von der Zuschau­er­tri­büne vorm Rat­haus schau­ten auch Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel und seine Gat­tin Vera — ver­klei­det als Pilot und Teu­fe­lin — den Zug-Akteu­ren zu.

Der “Zoch” setzte sich gegen 12.14 Uhr an der Cor­ne­li­us­straße in Bewe­gung und erreichte gegen 13.30 Uhr das Düs­sel­dor­fer Rat­haus in der Alt­stadt, wo tau­sende Jecken auf dem Markt­platz die Haupt­dar­stel­ler des Düs­sel­dor­fer Kar­ne­vals erwar­te­ten. Knapp 12.000 Jecken gin­gen die­ses Jahr beim Zug mit. Ins­ge­samt gab es 90 Fuß­grup­pen. 131 Wagen wur­den von Trak­to­ren gezogen.

Motto-Wagen von Jac­ques Tilly
The­ma­ti­scher Höhe­punkt des dies­jäh­ri­gen Düs­sel­dor­fer Rosen­mon­tags­zu­ges, der unter der Regent­schaft des Prin­zen­paa­res Vene­tia Jula (Jula Fal­ken­burg) und Prinz Axel I. (Axel Both) stand, war das Motto “Unser Rad schlägt um die Welt”. Zahl­rei­che Wagen der Kar­ne­vals­ge­sell­schaf­ten inter­pre­tier­ten das Motto auf eigene krea­tive Weise. Die welt­weit berühm­ten Mot­to­wa­gen wur­den — wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren — von Wagen­bau­meis­ter und Künst­ler Jac­ques Tilly geschaf­fen. Ein Mot­to­wa­gen the­ma­ti­sierte den Anschlag in Hanau. Er zeigte einen gro­ßen Kopf, auf dem “Aus Wor­ten wer­den Taten!” geschrie­ben stand. Aus dem Mund ragte eine Pis­tole mit dem Schrift­zug “Ras­sis­mus” her­vor. Andere Mot­to­wa­gen zeig­ten bei­spiels­weise die Bezie­hung zwi­schen den USA und dem Iran, die ver­hee­ren­den Wald­brände in Aus­tra­lien, die durch ein bren­nen­des Kän­guru sym­bo­li­siert wur­den, oder die Minis­ter­prä­si­den­ten­wahl in Thü­rin­gen. Auch The­men wie der Coro­na­vi­rus, der Hass in den Sozia­len Medien oder die Umwelt­spur sowie das Die­sel­fahr­ver­bot wur­den in Szene gesetzt. Til­lys humo­ris­tisch-bis­si­ger Rund­um­schlag wurde mit Span­nung erwar­tet und mit Applaus bedacht. Eben­falls im Zug zu sehen war der gemein­same Tole­ranz­wa­gen der Orga­ni­sa­tio­nen Evan­ge­li­scher Kir­chen­kreis Düs­sel­dorf, Jüdi­sche Gemeinde Düs­sel­dorf, Katho­li­scher Gemein­de­ver­band Düs­sel­dorf und Ori­ent Okzi­dent Express — Enga­gierte Mus­lime im Rhein­land. Die­ser ist zum zwei­ten Mal beim Rosen­mon­tags­zug dabei.

Der Vor­bei­marsch der Kar­ne­va­lis­ten dau­erte rund drei Stun­den. Meh­rere hun­dert Poli­zis­ten sicher­ten den Zug. Für die Besu­cher am Weges­rand gab es ton­nen­weise Kamelle.

Zwi­schen­bi­lanz des Ord­nungs­am­tes und der Feu­er­wehr (Stand 15.30 Uhr)
Für das Ord­nungs­amt, das am Rosen­mon­tag rund 260 (2019: 260) Kräfte – inklu­sive pri­va­ter Sicher­heits­dienste und Ver­wal­tungs­kräfte – im Ein­satz hatte, stan­den an die­sem Tag Glas­ver­bot und Jugend­schutz im Vordergrund.

Wie in den Vor­jah­ren seit 2011 hatte der OSD wie­der 16 Sperrstel­len in der Alt­stadt ein­ge­rich­tet, um das Glas­ver­bot zu über­wa­chen. Die meis­ten Besu­cher an Rosen­mon­tag waren jedoch bes­tens infor­miert und führ­ten keine Glas­fla­schen, Glä­ser etc. mit. Die­je­ni­gen, die den­noch Glas­fla­schen mit­führ­ten, konn­ten deren Inhalt in (bio­lo­gisch abbau­bare) Plas­tik­be­cher umfül­len, die wie immer an jeder Sperrstelle zur Ver­fü­gung stan­den. Ver­ein­zelt in der Glas­ver­bots­zone mit­ge­führte Glas­be­hält­nisse wur­den eben­falls in Becher umgefüllt.

Im Rah­men des Jugend­schut­zes wur­den am heu­ti­gen Rosen­mon­tag bis 15.30 Uhr 38 Jugend­schutz­kon­trol­len (2019: 54) durch­ge­führt. 28 Mal (2019: 37) wurde der ille­gal mit­ge­führte Alko­hol frei­wil­lig ver­nich­tet. 10 Min­der­jäh­rige (2019: 15) wur­den beim Rau­chen erwischt. Die noch mit­ge­führ­ten Ziga­ret­ten wur­den frei­wil­lig von den Jugend­li­chen ver­nich­tet. Ins­ge­samt sind von Wei­ber­fast­nacht bis Rosen­mon­tag 147 “posi­tive” Jugend­schutz­kon­trol­len (2019: 200) zu ver­zeich­nen. Drei hilf­lose Min­der­jäh­rige wur­den den Sani­täts­diens­ten zugeführt.

Die in die­sem Jahr zahl­reich zusätz­lich auf­ge­stell­ten Toi­let­ten wur­den gut ange­nom­men. Am Rosen­mon­tag wur­den bis 15.30 Uhr keine Ver­stöße des “Wild­pin­kelns” (2019: 2) geahn­det, ins­ge­samt wur­den an den Kar­ne­vals­ta­gen 55 Wild­pink­ler erwischt (2019: 110). Die Betrof­fe­nen bekom­men in den nächs­ten Tagen per Post ein Schrei­ben über­sandt, in dem die began­gene Ord­nungs­wid­rig­keit des “Wild­pin­kelns” mit einem Buß­geld von 70 Euro zzgl. Ver­wal­tungs­ge­büh­ren geahn­det wird.

Die Bilanz zum Ein­satz gegen Falsch­par­ker: 100 (2019: 99) behin­dernd par­kende Fahr­zeuge waren trotz aus­rei­chen­der Beschil­de­rung am Zug­weg fest­zu­stel­len, 78 Mal (2019: 78) musste abge­schleppt werden.

Mobile Feu­er­wa­che am Stadt­brück­chen
Die Feu­er­wehr trat mit 196 (2019: 196) Ein­satz­kräf­ten den Dienst am Rosen­mon­tag an. Rund 200 zusätz­li­che, haupt­säch­lich ehren­amt­li­che Hel­fer vom Deut­schen Roten Kreuz, der Johan­ni­ter Unfall Hilfe, des Mal­te­ser Hilfs­diens­tes sowie des Arbei­ter Sama­ri­ter Bun­des bezo­gen Stel­lung an den drei Unfall­hil­fe­stel­len und drei Erste-Hilfe-Berei­chen ent­lang des Zug­we­ges. Zusätz­li­che Ret­tungs­wa­gen, Not­ärzte und Kran­ken­wa­gen sorg­ten im Zusam­men­spiel mit vie­len Erst­ver­sor­gungs­trupps dafür, dass schnelle medi­zi­ni­sche Hilfe geleis­tet wurde.

Um im Bereich des Zug­wegs auch bei Brän­den schnell reagie­ren zu kön­nen, wurde für die Zeit des Umzugs ein Lösch­zug an der mobi­len Feuer- und Ret­tungs­wa­che am Stadt­brück­chen sta­tio­niert. Zusätz­lich waren sechs Füh­rungs­kräfte der Feu­er­wehr im Bereich der Ver­an­stal­tung ein­ge­bun­den, um das Ein­satz­ge­sche­hen rund um den Rosen­mon­tags­zug zu füh­ren. Die Leit­stelle wurde durch drei wei­tere Mit­ar­bei­ter unter­stützt und die Frei­wil­lige Feu­er­wehr des Tech­nik- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­ges war mit wei­te­ren fünf Ein­satz­kräf­ten zur Füh­rungs­un­ter­stüt­zung den gan­zen Tag vor Ort.

161 (2019: 184) Frauen und Män­ner der Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen waren am Rosen­mon­tag in Düs­sel­dorf im Ein­satz, dar­un­ter drei (2019: 3) Ärzte in den Unfall­hil­fe­stel­len an der Stre­cke. Dazu stan­den sechs (2019: 6) Ret­tungs­wa­gen, zwei (2019: 2) Not­arzt­ein­satz­fahr­zeuge und sechs (2019: 6) Kran­ken­wa­gen zusätz­lich bereit. Der städ­ti­sche Ret­tungs­dienst sowie der ver­an­stal­tungs­be­zo­gene Sani­täts­dienst hat­ten – wie bei Groß­ver­an­stal­tun­gen üblich – bis 15.30 Uhr mit 190 (2019: 187) Ein­sät­zen im gesam­ten Stadt­ge­biet zu tun.

Bis 15.30 Uhr gab es 55 (2019: 24) Hil­fe­leis­tun­gen in den Unfall­hil­fe­stel­len am Rande des Rosen­mon­tags­zu­ges. Über­wie­gend han­delte es sich dabei um klei­nere Ver­let­zun­gen, Herz-Kreis­lauf­pro­bleme oder Unwohl­sein durch zu viel Alko­hol­kon­sum. 23 (2019: 5) Pati­en­ten muss­ten aus dem Bereich des Rosen­mon­tags­zu­ges ins Kran­ken­haus trans­por­tiert wer­den. An Glas­scher­ben ver­letz­ten sich die­ses Jahr drei Per­so­nen (2019: 0). (Hin­weis zu den Zah­len: Auf­grund des Sturm­tiefs beim Rosen­mon­tags­zug 2019 star­tete die Ver­an­stal­tung im letz­ten Jahr zwei Stun­den spä­ter. Daher sind die Zah­len Stand 15.30 Uhr in die­sem Jahr im Ver­gleich zu 2019 höher.)

Hin­ter den Jecken wird auf­ge­räumt
Einen Groß­ein­satz beschert der Rosen­mon­tags­zug den Mit­ar­bei­tern der Awista GmbH — genauso wie alle ande­ren “tol­len Tage”. Beim Rosen­mon­tags­zug setzte die Awista direkt hin­ter dem letz­ten Zug­wa­gen an, wei­tere Rei­ni­gungs­trupps neh­men ihre Arbeit etwas spä­ter an ande­rer Stelle ent­lang des Zug­we­ges auf, bei­spiels­weise an der Hein­rich-Heine-Allee und am Carls­platz. Die Rei­ni­gung der Alt­stadt beginnt in der Nacht zum Diens­tag und dau­ert bis etwa 8 Uhr. Fein­ar­bei­ten dau­ern noch den gesam­ten Vor­mit­tag, ins­be­son­dere dort, wo noch Stände und Tri­bü­nen abge­baut wer­den müssen.

När­ri­scher Zap­fen­streich am Rat­haus
Beim “När­ri­schen Zap­fen­streich” am Diens­tag­abend, 25. Februar, am Rat­haus wird das Prin­zen­paar Vene­tia Jula und Prinz Axel I. von Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel und Michael Lau­men, Prä­si­dent des CC, offi­zi­ell ver­ab­schie­det. Beginn des “När­ri­schen Zap­fen­streichs” auf dem Markt­platz ist gegen 19 Uhr.

Und am Ascher­mitt­woch (26. Februar), wenn der Hop­pe­ditz wie­der beer­digt wird, ist bekann­ter­weise wie­der alles vorbei!