1. Platz „Those who have crossed“ von ULTRASTUDIO (Lars Breuer, Sebastian Freytag, Christian Heuchel, Guido Münch, Jürgen Wiener), Köln mit O&O Baukunst, Köln osd office for structural design und FSWLA Landschaftsarchitektur, Düsseldorf,(c)ULTRASTUDIO

Der Entwurf „Those who have crossed“ konnte die Jury der Kunstkommission überzeugen/Ausstellung zu Ergebnissen des Wettbewerbs bis zum 14. Juni im Stadtmuseum zu sehen

Das Ergebnis des offenen Wettbewerbs der Kunstkommission zur Umgestaltung des Reeser Platzes in Düsseldorf liegt nun vor und zeigt eine Bandbreite an interessanten Entwürfen. Sieger des Wettbewerbs ist ein 50 Meter langer, begehbarer Steg über das alte Kriegerdenkmal.

Zweiphasiger Ideenwettbewerb
Nach intensiver Vorbereitung waren im September 2019 Künstlerinnen und Künstler weltweit aufgefordert, sich mit ihren Ideen zur Umgestaltung des Reeser Platzes in Düsseldorf zu bewerben. Ausgelobt wurde ein offener, zweiphasiger Ideenwettbewerb mit dem Ziel, zeitgenössische, künstlerische und freiraumplanerische Ideen für den zukünftigen Umgang mit dem „39er Denkmal“ und dem Reeser Platz zu finden. Der gesamte Platz mit Vorder- und Rückseite des Soldaten-Denkmals stand als Realisierungsraum zur Verfügung. Gewünscht war eine pointierte, signifikante und kritische künstlerische Kommentierung des Denkmals.

Siegerentwurf „Those who have crossed“
Von den anfänglich 67 Einreichungen der ersten Phase wurden acht Entwürfe für die zweite Phase ausgewählt. Die Jury hat nach langer und ausführlicher Auseinandersetzung den Entwurf „Those who have crossed“ zum Siegerentwurf gekürt. Das zentrale Element des Entwurfs „Those who have crossed“ bildet eine 50 Meter lange Brücke aus Stahl, die wie ein Querriegel über das Denkmal hinaus bis auf den Vorplatz reicht. Es verbindet nicht nur die hintere Parkanlage mit dem Vorplatz, sondern durchkreuzt auch dessen Gradlinigkeit. Optisch unterstützt wird die Passage durch ein Lichtband, das in Höhe des Handlaufs angebracht ist. Der Aufgang zur Brücke erfolgt über Treppenstufen hinauf auf einen neu aufgeschütteten Hügel hinter dem Denkmal, der die Besucherinnen und Besucher bis auf die Höhe der Baumwipfel führt. Auf diese Weise sollen sich neue Blickwinkel ergeben, einerseits nach unten, gleichsam rückblickend auf die Historie, andererseits nach oben, befreiend. Die skulpturale Architektur des Entwurfs soll „die gebrochene Funktionalität und Uneinheitlichkeit des Platzes überwinden (…) und einen neuen Erfahrungsraum eröffnen“, so der Erläuterungstext des Entwurfs.

Der Titel „Those who have crossed“ zitiert eine Zeile aus dem Gedicht „The Hollow Men“ von T.S. Eliot von 1925, das sich mit dem seelischen Zustand Europas nach dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Eingereicht wurde der Entwurf von ULTRASTUDIO“ (Lars Breuer, Sebastian Freytag, Christian Heuchel, Guido Münch, Jürgen Wiener), Köln, mit „O&O Baukunst“, Köln, „osd office for structural design“ und „FSWLA Landschaftsarchitektur“, Düsseldorf. Der erste Platz ist mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert. Es wurden insgesamt drei weitere Entwürfe mit Preisen versehen. Der fünfte Platz erhielt eine Anerkennung.

Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse im Stadtmuseum
Die Wettbewerbsergebnisse sind vom heutigen Freitag, 29. Mai, bis zum 14. Juni im Stadtmuseum Düsseldorf zu den üblichen Öffnungszeiten ausgestellt. In einer Sondersitzung am Donnerstagabend, 28. Mai, im Stadtmuseum tagte die Bezirksvertretung 1 und sprach die Empfehlung aus, den von der Kunstkommission gekürten Siegerentwurf auch zu realisieren. Der Entwurf steht nun am Donnerstag, 4. Juni, auf der Tagesordnung des Kulturausschusses und wird am 18. Juni im Rat behandelt.

Hintergrund: „39er Denkmal“ auf dem Reeser Platz
Kaum ein anderes Denkmal in Düsseldorf sorgt für so viele kontroverse Diskussionen wie das „39er Denkmal“ auf dem Reeser Platz. Errichtet 1939 und ursprünglich als Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen oder Verschollenen des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 der preußischen Armee konzipiert, wird es inhaltlich wie ästhetisch als revanchistisch und nationalsozialistisch eingestuft. In der Forschung gilt das Denkmal überwiegend als ein Dokument der nationalsozialistischen Erinnerungskultur der späten 1930er Jahre in Deutschland. Das Denkmal wurde im Anschluss an die Reichsaustellung „Schaffendes Volk“ von 1937 realisiert. Bei dieser Autarkie- und Leistungsschau des NS-Staates entstand unter anderem eine typische nationalsozialistische Modellsiedlung („Schlagetersiedlung“) in Golzheim mit „landschaftsgebundenen“ Wohnhäusern und die Anlage des Nordparks. Seit der Errichtung gibt das umstrittene Denkmal Anlass für zahlreiche politische Auseinandersetzungen und Kontroversen. Bereits in der Nachkriegszeit wurde der Erhalt des Denkmals in Frage gestellt, blieb jedoch unangetastet.

Die für den Stadtteil zuständige Bezirksvertretung 1 hatte 2015 mehrheitlich beschlossen, ein alternatives Denkmal auf dem Reeser Platz aufzustellen, das den Wunsch der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger nach einem friedlichen Zusammenleben der Völker zum Ausdruck bringt und den Widerstand gegen Kriegsverherrlichung würdigt. Auf Bitten der Bezirksvertretung 1 wurde die Kunstkommission der Stadt Düsseldorf damit beauftragt, über die Auslobung eines Wettbewerbs einen angemessenen Umgang mit dem Platz und seinem Denkmal zu entwickeln. Den Mitgliedern der Kunstkommission war es angesichts des andauernden Denkmalstreits wichtig, den Wettbewerb mit Hilfe einer breiten öffentlichen Beteiligung vorzubereiten. Die unterschiedlichen Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger auf den Ort sollten zunächst in einer konstruktiven und offenen Debatte formuliert werden. Im Rahmen eines öffentlichen Werkstatt-Tages im November 2018 wurden Wissen vertieft, Standpunkte geklärt und Ideen für den zukünftigen Umgang mit dem Reeser Platz entwickelt. Die Diskussionen und Ergebnisse des Werkstatt-Tags wurden umfangreich dokumentiert.