Das Opernhaus Düsseldorf,(c)Jens Wegener

Das Opern­haus Düsseldorf,©Jens Wegener

Vor­stel­lung der Ergeb­nisse zur Ana­lyse des Opern­hau­ses sowie eines Kon­zep­tes zur Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie sieht die Zukunft des Düs­sel­dor­fer Opern­hau­ses aus? Vor dem Hin­ter­grund der Dis­kus­sion um diese Frage wurde die Ver­wal­tung im März 2019 vom Stadt­rat mit einer Ana­lyse des Opern­hau­ses beauf­tragt. Zum einen sollte das Bestands­ge­bäude am Hof­gar­ten unter­sucht, zum ande­ren die Vari­an­ten “Sanie­rung”, “erwei­terte Sanie­rung” und “mög­li­cher Neu­bau” geprüft wer­den. Ziel ist es, eine Grund­lage für einen wei­te­ren fak­ten­ba­sier­ten Aus­tausch- und Ent­schei­dungs­pro­zess zu schaf­fen. An die­sem sol­len auch die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger betei­ligt wer­den. Daher wurde die Ver­wal­tung eben­falls mit der Erstel­lung eines Kon­zepts zur Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung beauf­tragt. Sowohl die Ergeb­nisse der Unter­su­chun­gen und Prü­fun­gen als auch ein Kon­zept zur Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung lie­gen nun vor.

Im Rah­men eines digi­ta­len Pres­se­ge­sprächs am Don­ners­tag, 11. März, stell­ten Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler, Kul­tur­de­zer­nent Hans-Georg Lohe und Pro­jekt­lei­te­rin Anna Mon­tag, Kul­tur­amt Düs­sel­dorf, diese nun gemein­sam mit Prof. Chris­toph Meyer, Gene­ral­inten­dant der Deut­schen Oper am Rhein, und Alex­an­dra Stamp­ler-Brown, Geschäfts­füh­rende Direk­to­rin der Deut­schen Oper am Rhein, vor.

Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler: “Die Zukunft des Düs­sel­dor­fer Opern­hau­ses ist ein zen­tra­les Pro­jekt der kom­men­den Jahre. Mit den heute vor­ge­stell­ten Erkennt­nis­sen kom­men wir einen wich­ti­gen Schritt wei­ter, um eine gute Ent­schei­dung für die Oper, aber auch für Düs­sel­dorf ins­ge­samt, zu tref­fen. Aus mei­ner Sicht scheint ein Neu­bau grö­ßere Chan­cen und Mög­lich­kei­ten für die Zukunft der Düs­sel­dor­fer Oper bereit­zu­hal­ten als eine Sanie­rung. Das zukünf­tige Opern­haus Düs­sel­dorf soll aber eine Oper für alle sein. Daher sind eine umfas­sende, qua­li­fi­zierte Bür­ger­be­tei­li­gung und ein brei­ter Mei­nungs­aus­tausch bei die­sem Pro­jekt so unge­mein wich­tig. Ich freue mich hier­auf und bin gespannt, was sich die Düs­sel­dor­fe­rin­nen und Düs­sel­dor­fer für ihre Oper wünschen.”

Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung
Kul­tur­de­zer­nent Hans-Georg Lohe: “Es ist geplant in einem nächs­ten Schritt, das Kon­zept zur Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung mit der Pro­jekt­gruppe ‘Zukunft der Oper’ zu dis­ku­tie­ren und abzu­stim­men. Das Kon­zept sieht vor, mit einer Auf­takt­ver­an­stal­tung die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zunächst über die Unter­su­chungs­er­geb­nisse zum Opern­ge­bäude zu infor­mie­ren. Zudem sol­len die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die Mög­lich­keit erhal­ten, sich kon­struk­tiv in den Pro­zess ein­zu­brin­gen. Hierzu wird erst­mals als ein wich­ti­ger Bau­stein ein Bür­ge­rin­nen- und Bür­ger­rat aus zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Düs­sel­dor­fe­rin­nen und Düs­sel­dor­fern eingerichtet.”

In dem Bür­ge­rin­nen- und Bür­ger­rat sol­len Fra­gen und Mei­nun­gen zur Zukunft des Opern­hau­ses in Düs­sel­dorf offen erör­tert und dis­ku­tiert wer­den. Ziel der Bür­ger­be­tei­li­gung ist es, die Anre­gun­gen und Ideen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in den Ent­schei­dungs­pro­zess ein­flie­ßen zu lassen.

Des Wei­te­ren wer­den zusätz­lich The­men wie die Visio­nen für ein zukünf­ti­ges Opern­haus sowie Fra­gen des Stand­or­tes eines mög­li­chen Neu­baus und gege­be­nen­falls einer Inte­rims­stätte ver­tie­fend betrach­tet und die bis dahin vor­lie­gen­den Ergeb­nisse eben­falls der Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung vorgestellt.
Alle Aspekte flie­ßen anschlie­ßend gebün­delt in den Ent­schei­dungs­pro­zess ein: So sol­len alle Ergeb­nisse letzt­end­lich anschau­lich und ver­gleich­bar aus­ge­ar­bei­tet und in einer Beschluss­vor­lage zusam­men­ge­führt wer­den. Es ist geplant, die Vor­lage Ende 2021 in die poli­ti­schen Gre­mien einzubringen.

Ergeb­nisse der Ana­lyse zum Opernhaus
Im Fol­gen­den sind die ein­zel­nen Unter­su­chungs­er­geb­nisse der Ver­wal­tung zum Opern­haus zusam­men­ge­fasst. Diese glie­dern sich in die Ana­lyse des Bestand­ge­bäu­des sowie den Prü­fun­gen der Vari­an­ten “Sanie­rung”, “erwei­terte Sanie­rung” und “mög­li­cher Neu­bau”. Basis für die Unter­su­chung ist das mit der Oper inten­siv erar­bei­tete Nut­zer­be­darfs­pro­gramm für die räum­li­che Aus­rich­tung eines zukunfts­fä­hi­gen Opern­hau­ses. Die­ses umfasst unter ande­rem eine zusätz­lich erfor­der­li­che Sei­ten­bühne und die Ein­rich­tung einer Stu­dio­bühne sowie die Ein­glie­de­rung von Pro­be­räu­men, die der­zeit dezen­tral sind.

Unter­su­chung des Bestandsgebäudes
Die durch ver­schie­dene Fach­in­ge­nieure erfolgte Prü­fung des Bestands­ge­bäu­des hat erge­ben, dass eine Viel­zahl bau­li­cher, tech­ni­scher und funk­tio­na­ler Män­gel vor­liegt. Die Folge ist ein hoher Sanie­rungs- und Erneue­rungs­be­darf. Die räum­li­chen Gege­ben­hei­ten des ursprüng­lich 1875 als Stadt­thea­ter errich­te­ten Gebäu­des sind nicht für einen zukunfts­fä­hi­gen Opern­spiel­be­trieb aus­ge­rich­tet. Dies zeigt sich vor allem im Hin­ter­haus, das nicht durch den Krieg zer­stört wurde. Ins­be­son­dere feh­len der Oper eine zweite Sei­ten­bühne sowie Pro­be­räume. In eini­gen Berei­chen sind Flä­chen­er­wei­te­run­gen erfor­der­lich, um die Vor­ga­ben der Arbeits­stät­ten­richt­li­nien zu erfüllen.

Unab­hän­gig von einer poli­ti­schen Ent­schei­dung über die Zukunft des Opern­hau­ses muss­ten bereits Maß­nah­men umge­setzt bzw. ein­ge­lei­tet wer­den, um den Spiel­be­trieb sicher zu stel­len und die drin­gends­ten bau­li­chen Män­gel zu besei­ti­gen. Seit der Ein­ho­lung des Bedarfs­be­schlus­ses im Rat im Okto­ber 2017 “Not­wen­dige Sanie­run­gen am Gebäude der DOR” sind so Beschlüsse für Maß­nah­men mit einem Gesamt­vo­lu­men von rund 9,6 Mil­lio­nen Euro und wei­tere für rund 950.000 Euro, die nicht Bestand­teil des Bedarfs­be­schlus­ses waren (Sprüh­flut-/Sprink­ler­an­lage und Brand­schutz­sa­nie­rung Stüt­zen), ein­ge­holt wor­den, die teil­weise bereits umge­setzt sind oder in der Som­mer­pause 2021 umge­setzt werden.

Sanie­rung und Neu­bau am der­zei­ti­gen Standort
Auf Basis des Nut­zer­be­darfs­pro­gram­mes wur­den ver­schie­dene Vari­an­ten für einen wei­te­ren Umgang mit dem Opern­haus am der­zei­ti­gen Stand­ort Hof­gar­ten unter­sucht: 1. Basis­sa­nie­rung, 2. erwei­terte Sanie­rung, 3. Neu­bau mit einem redu­zier­ten Raum­pro­gramm und 4. Neu­bau mit vol­lem Raumprogramm.

1. Basis­sa­nie­rung: Bei der Basis­sa­nie­rung wür­den durch die Umstruk­tu­rie­rung des Hin­ter­hau­ses die dring­lichs­ten funk­tio­na­len Män­gel des Gebäu­des beho­ben wer­den. Die dezen­tral ange­mie­te­ten Flä­chen, unter ande­rem für Pro­be­räume, wür­den wei­test­ge­hend dezen­tral ver­blei­ben. Die vor­han­de­nen bau­li­chen und tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen wür­den bei einer Sanie­rung ihren Bestands­schutz ver­lie­ren, so dass diese ganz­heit­lich erneu­ert und die gel­ten­den bau­recht­li­chen Anfor­de­run­gen umge­setzt wer­den müssten.

2. Erwei­terte Sanie­rung: Bei der soge­nann­ten erwei­ter­ten Sanie­rung wür­den die vor­lie­gen­den funk­tio­na­len Män­gel wei­test­ge­hend beho­ben wer­den. Zusätz­lich würde jedoch das Opern­haus durch die Neu­struk­tu­rie­rung des Hin­ter­hau­ses und mit Hilfe eines nörd­li­chen Erwei­te­rungs­baus unter ande­rem eine zweite Sei­ten­bühne und eine Stu­dio­bühne erhal­ten. Zudem wür­den dezen­trale Flä­chen in redu­zier­tem Maß in das Raum­pro­gramm auf­ge­nom­men wer­den. Der Ver­lust des Bestands­schut­zes tritt ebenso wie bei der Basis­sa­nie­rung ein.

3. und 4. Neu­bau mit redu­zier­tem bzw. vol­lem Raum­pro­gramm Für einen mög­li­chen Neu­bau wurde eine exem­pla­ri­sche Stu­die auf Basis des Nut­zer­be­darfs­pro­gramms für den Stand­ort am Hof­gar­ten durch­ge­führt – die Stu­die lässt sich aber auch auf andere Stand­orte über­tra­gen. So könn­ten unter ande­rem eine Stu­dio­bühne, eine zweite Sei­ten­bühne, Pro­be­büh­nen, Park­plätze und Flä­chen für die Öffent­lich­keit, soge­nannte kom­mu­nale Flä­chen, geschaf­fen wer­den. Die kom­mu­na­len Flä­chen sol­len der Öffent­lich­keit außer­halb des Spiel­be­trie­bes zugäng­lich sein und dem Opern­haus eine Öff­nung für ein brei­te­res Publi­kum und den Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einen Platz zum Ver­wei­len, Tref­fen und Ent­de­cken ermög­li­chen. Die der­zeit dezen­tral ange­mie­te­ten Flä­chen wür­den größ­ten­teils in das Opern­haus inte­griert. Je nach Stand­ort und Flä­chen­an­ge­bot könnte der Neu­bau mit einem redu­zier­ten oder vol­len Raum­pro­gramm umge­setzt wer­den. Bei einem Neu­bau am jet­zi­gen Stand­ort wären der Abbruch des Bestands­ge­bäu­des und die Ein­rich­tung einer Inte­rims­spiel­stätte erforderlich.

Neu­bau des Opernhauses
Eine Neu­bau­lö­sung würde fol­gende Chan­cen bieten:

  • die Oper als neuer archi­tek­to­ni­scher Impuls im städ­te­bau­li­chen Gesamtkontext,
  • Umset­zung von neuen Kon­zep­ten im Betrieb,
  • eine Archi­tek­tur, die sich der Öffent­lich­keit zuwendet,
  • ein funk­tio­nal und tech­nisch zukunfts­fä­hi­ger Bühnenbetrieb,
  • Wirt­schaft­lich­keit und Nach­hal­tig­keit in einem neuen, opti­mier­ten Gebäude,

sowie eine deut­li­che Mini­mie­rung der Risi­ken für Pla­nung und Bauen.

Zur Dar­stel­lung der Rela­tio­nen wur­den grob geschätzte Kos­ten­richt­werte für die ein­zel­nen Vari­an­ten gegen­über­ge­stellt, ohne Ein­be­zie­hung der Kos­ten für den Bau­grund und für den mög­li­chen Erwerb eines alter­na­ti­ven Grund­stücks. Die Kos­ten­richt­werte ori­en­tie­ren sich am auf­ge­stell­ten Nut­zer­be­darfs­pro­gramm. Die vor­läu­fi­gen und aus­schließ­lich auf dem aktu­el­len Wis­sen­stand beru­hen­den Kos­ten­richt­werte bewe­gen sich zwi­schen min­des­tens 457 Mil­lio­nen Euro für die Basis­sa­nie­rung bis zu min­des­tens 716 Mil­lio­nen Euro für einen Neu­bau im Hofgarten.

Stand­orte für einen mög­li­chen Neu­bau oder Interim
Für eine Ersatz­spiel­stätte bei einer Sanie­rung des Opern­hau­ses sowie den mög­li­chen Neu­bau an einem alter­na­ti­ven Stand­ort wurde eine Ana­lyse des Düs­sel­dor­fer Stadt­ge­bie­tes durch­ge­führt. Es wur­den 28 Stand­orte ohne “Denk­ver­bote” und zunächst aus­schließ­lich anhand des Flä­chen­be­darfs für einen mög­li­chen Neu­bau oder Ersatz­spiel­stätte betrach­tet. Diese erstre­cken sich über das gesamte Stadt­ge­biet, zum Bei­spiel am Hof­gar­ten, im Hafen oder am ehe­ma­li­gen Stand­ort Kauf­hof Am Wehr­hahn, der auch auf Grund­lage des Auf­tra­ges aus dem Aus­schuss für Pla­nung und Stadt­ent­wick­lung vom Novem­ber 2020 in die Prü­fung ein­be­zo­gen wurde. Im Wei­te­ren soll die Eig­nung von ein­zel­nen Stand­or­ten ver­tie­fend geprüft und bewer­tet werden.

“Opern­kon­zep­tion 203+”
Neben den bau­li­chen und räum­li­chen Anfor­de­run­gen an ein Opern­haus hat die Oper eine Vision für ein Opern­haus der Zukunft erar­bei­tet, die eben­falls noch ver­tieft wird. Auch hier wer­den Anre­gun­gen aus der Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung aufgenommen.

Prof. Chris­toph Meyer wirbt für einen Neu­bau: “Mit der Ent­schei­dung für das Opern­haus 203+, für einen Neu­bau, wür­den die Wei­chen für eine Zukunft Düs­sel­dorfs als Opern­stand­ort und Kul­tur­stadt gestellt. Als neues Wahr­zei­chen für die Lan­des­haupt­stadt würde das Opern­haus 203+ ebenso zum attrak­ti­ven, urba­nen Treff­punkt für eine hete­ro­gene Stadt­ge­sell­schaft wie eine attrak­tive Desti­na­tion für den inter­na­tio­na­len Kul­tur­tou­ris­mus. Offen, trans­pa­rent und ein­la­dend: In unse­rer Vision wäre das Opern­haus 203+ ein nahezu rund um die Uhr geöff­ne­tes, leben­di­ges Haus. Mit attrak­ti­ver Archi­tek­tur, fle­xi­blem Raum­an­ge­bot und moder­ner Büh­nen­tech­nik könnte es zukunfts­si­chere Rah­men­be­din­gun­gen sowohl für hoch­ka­rä­tige Oper und Bal­lett, als auch die breite gesell­schaft­li­che Öff­nung von Gebäude und Kunst­form bie­ten. Krea­tive und gas­tro­no­mi­sche Ange­bote, die Junge Oper, Work­shops für Schu­len, Lunch-Kon­zerte, Aus­stel­lun­gen und vie­les mehr wür­den das Haus tags­über vibrie­ren las­sen; durch die Ver­net­zung mit künst­le­ri­schen Akteu­ren der Stadt würde es zum urba­nen Schmelz­tie­gel der Künste. Die neuen bau­li­chen Mög­lich­kei­ten wür­den eine neue Fle­xi­bi­li­tät und Viel­falt eines Spiel­plans ermög­li­chen, bei dem die Öff­nung Pro­gramm sei, so dass das Opern­haus 203+ zum zen­tra­len Treff­punkt der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den würde.”