Die Son­der­aus­stel­lung des Heine-Insti­tuts “Ilna Ewers-Wun­der­wald: Rebel­lin des Jugend­stils” bie­tet vom 5. Februar bis 22. Mai die Gele­gen­heit, eine Aus­wahl von Ilna Ewers-Wun­der­walds Arbei­ten zu entdecken,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

 

Das Insti­tut zeigt vom 5. Februar bis 22. Mai eine Aus­stel­lung zur Düs­sel­dor­fer Künstlerin

Nach rund 100 Jah­ren zeigt das Hein­rich-Heine-Insti­tut das Werk der Male­rin, Zeich­ne­rin und Illus­tra­to­rin Ilna Ewers-Wun­der­wald (1875–1957) wie­der in ihrer Geburts­stadt. Zuletzt war es 1923 in einer klei­nen Schau im Düs­sel­dor­fer Kunst­pa­last zu sehen. Die Son­der­aus­stel­lung des Heine-Insti­tuts “Ilna Ewers-Wun­der­wald: Rebel­lin des Jugend­stils” bie­tet den Besu­che­rin­nen und Besu­chern vom 5. Februar bis 22. Mai die Gele­gen­heit, eine Aus­wahl ihrer Arbei­ten unter­teilt in die Sek­tio­nen Unter­was­ser-Wel­ten, Tiere, Pflan­zen und Indien zu betrachten.

Neu zu ent­de­cken sind exo­tisch-traum­ver­lo­rene Zeich­nun­gen zwi­schen Feder, Tusche und leuch­ten­der Was­ser­farbe, die heu­tige Kunst­schaf­fende auf viel­fäl­tige Weise inspi­rie­ren. Anhand von Nach­lass­ma­te­ria­lien wid­met sich die Aus­stel­lung zudem der Kaba­rett­dar­stel­le­rin, Mode­de­si­gne­rin und Welt­rei­sen­den. So wer­den teil­weise noch nie öffent­lich gezeigte Nach­lass­ma­te­ria­lien wie etwa das Tage­buch, das Ewers-Wun­der­wald wäh­rend einer Indien-Reise führte, zahl­rei­che Foto­gra­fien, Buch­il­lus­tra­tio­nen, Briefe oder ihre frü­heste erhal­tene gestal­te­ri­sche Arbeit aus dem Jahr 1903 präsentiert.

Dar­über hin­aus bie­tet eine Medi­en­sta­tion audio­vi­su­elle Ein­füh­run­gen in Leben und Werk sowie die mut­maß­li­che Auf­nahme von Ilna Ewers-Wun­der­walds Stimme im Rah­men eines Kaba­rett-Stücks (1901). Hinzu kom­men fil­mi­sche Werk­statt­be­richte, die ver­deut­li­chen, dass Ewers-Wun­der­wald Künst­le­rin­nen und Künst­ler aus ver­schie­de­nen Stil­rich­tun­gen zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ihrem Werk inspi­riert: So führt der Kunst­schmied und Bild­hauer Gösta Gablick zwei Motive Ewers-Wun­der­walds in der Skulp­tur “Der flie­gende Fisch”, die auch in der Aus­stel­lung zu sehen ist, auf spek­ta­ku­läre Weise zusam­men. Die Illus­tra­to­rin Leo­nie Gizinski ver­fasst der­zeit eine exklu­sive Gra­phic Novel über Ilna Ewers-Wun­der­wald. Sie doku­men­tiert den Ent­ste­hungs­pro­zess die­ses Pro­jekts, das einer lange in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen Düs­sel­dor­fer Künst­ler­per­sön­lich­keit mehr Sicht­bar­keit verschafft.

Zu Ilna Ewers-Wunderwald
300 Meter vom Hein­rich-Heine-Insti­tut ent­fernt, in der Ben­ra­ther Straße 18, wird Karo­line Eli­sa­beth Wun­der­wald am 7. Mai 1875 gebo­ren. Früh offen­ba­ren sich künst­le­ri­sches Talent sowie aus­ge­präg­tes Selbst­be­wusst­sein. Da Frauen ein Kunst­stu­dium ver­wehrt bleibt, ver­fei­nert Ilna Ewers-Wun­der­wald, wie sie sich seit der Hei­rat mit dem Schrift­stel­ler und Fil­me­ma­cher Hanns Heinz Ewers (1871–1943) nennt, ihre zeich­ne­ri­schen Fähig­kei­ten autodidaktisch.

An bür­ger­li­chen Lebens­for­men hat sie kei­ner­lei Inter­esse. In Anleh­nung an die Titel­hel­din aus dem von ihr über­setz­ten Théo­phile-Gau­tier-Roman “Made­moi­selle de Mau­pin”, trägt sie – 20 Jahre, bevor es in der Damen­mode popu­lär wird – einen Kurz­haar­schnitt und raucht. Als Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin des Kaba­retts “Über­brettl” steht sie auf euro­päi­schen Büh­nen; sie macht sich als Buch­il­lus­tra­to­rin einen Namen, ent­wirft avant­gar­dis­ti­sche Klei­der, ist Teil der Frei­kör­per­kul­tur auf Capri. Dort zeich­net Ewers-Wun­der­wald auch erste vom Meer ange­regte Motive.

Über­haupt sam­melt sie viel­fäl­tige Ein­drü­cke: mit ihrem Mann bereist sie sämt­li­che Kon­ti­nente, als künst­le­risch beson­ders nach­hal­tig erweist sich ein Indien-Auf­ent­halt im Jahr 1910. Kurz dar­auf wird die Ehe geschie­den. Zunächst lebt Ewers-Wun­der­wald in Leip­zig, wie­der­holt in Düs­sel­dorf. Es folgt der Ver­such einer Welt­reise zu Fuß. Der­weil gera­ten ihre Bil­der, die in der Ber­li­ner Seces­sion, der Mün­che­ner Seces­sion, der Gros­sen Ber­li­ner Kunst­aus­stel­lung oder im Düs­sel­dor­fer Kunst­pa­last gezeigt wur­den, zuneh­mend in Ver­ges­sen­heit. 1936 zieht sie mit ihrer Part­ne­rin, der Bild­haue­rin Ellie Unkel­bach, an den Boden­see. Die Ver­bin­dun­gen in die Hei­mat­stadt, ins­be­son­dere zu vom NS-Regime ver­folg­ten Freun­din­nen und Freun­den, wie dem Rechts­an­walt und spä­te­rem Mit­be­grün­der der Hein­rich-Heine-Gesell­schaft Fried­rich Maase (1878–1959), rei­ßen jedoch nie ab.

Ilna Ewers-Wun­der­wald stirbt am 29. Januar 1957 in Allens­bach. Das Grab ist nicht mehr erhal­ten. Über­lie­fert sind hin­ge­gen zahl­rei­che Werke. Beein­flusst von der Natur­for­sche­rin Maria Sibylla Merian (1647–1717) und dem bri­ti­schen Illus­tra­tor Aubrey Beards­ley (1872–1898), gelin­gen Ewers-Wun­der­wald mit unge­mein prä­zis-dich­ter Lini­en­füh­rung bei­nahe mikro­sko­pi­sche Natur­be­hand­lun­gen sowie eigen­wil­lige Fantastik.

Eröff­nung am 5. Februrar
Die Ver­nis­sage der Aus­stel­lung fin­det am Sams­tag, 5. Februar, 18 Uhr statt. Neben der Direk­to­rin des Hein­rich-Heine-Insti­tuts, Dr. Sabine Bren­ner-Wilc­zek und den Kura­to­ren Dr. Sven Brömsel und Mar­tin Wil­lems ist die Schau­spie­le­rin Paula Götz (Schau­spiel­schule DER KELLER, Köln) zu Gast, sie rezi­tiert aus frü­hen Kaba­rett-Tex­ten und dem Indien-Tage­buch Ewers-Wunderwalds.

Das Begleit­pro­gramm zur Aus­stel­lung star­tet am 16. März, 19 Uhr, mit dem Vor­trag von Dr. Sven Brömsel “100 Jahre in Ver­ges­sen­heit” im Hein­rich-Heine-Insti­tut. Alle wei­te­ren Ter­mine wer­den auf der Web­site des Insti­tuts recht­zei­tig bekannt­ge­ben unter www.duesseldorf.de/heineinstitut/ Das Begleit­pro­gramm wird geför­dert von der Kunst- und Kul­tur­stif­tung der Stadt­spar­kasse Düsseldorf.