Freuen sich über die Rück­kehr von „Hel­mut“ nach Düs­sel­dorf (von rechts): Krzy­sz­tof Dost­atni, Vor­stands­vor­sit­zen­der der MPK Poz­nań und Klaus Klar, Vor­stands­vor­sit­zen­der und Arbeits­di­rek­tor der Rhein­bahn Foto: LOKALBÜRO

 

„Poz­nań grüßt Düs­sel­dorf“ steht im Ziel­schild einer grün-gelb lackier­ten Stra­ßen­bahn, die im his­to­ri­schen Betriebs­hof Am Stein­berg vie­len Besu­che­rin­nen und Besu­chern auf­fällt. Die gut erhal­tene, 58 Jahre alte Bahn, die sich schon durch die Farb­ge­bung von den ande­ren Fahr­zeu­gen abhebt, hat eine wech­sel­volle Geschichte hin­ter sich:

Mit dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs mach­ten sich in den 1990er-Jah­ren viele Ver­kehrs­be­triebe aus Ost­eu­ropa auf die Suche nach Ersatz für ihre in die Jahre gekom­me­nen Stra­ßen­bahn-Flot­ten. Da zur dama­li­gen Zeit die finan­zi­el­len Mit­tel für den Kauf von Neu­fahr­zeu­gen fehl­ten, über­nah­men viele Betriebe güns­tig gebrauchte, aber qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Bah­nen aus West­eu­ropa. Die Rhein­bahn hat zwi­schen 1994 und 2011 stolze 118 Stra­ßen­bah­nen nach Polen ver­kauft. Der Ver­kehrs­be­trieb der Stadt Posen, die MPK Poz­nań, erwarb 58 die­ser robus­ten Wagen. Die Bah­nen waren in Posen sehr beliebt und beka­men in Anspie­lung auf den dama­li­gen Bun­des­kanz­ler Hel­mut Kohl dort schnell den Spitz­na­men „Hel­mut“.

Fei­er­li­cher Abschied
Lange Jahre leis­te­ten die Bah­nen aus Düs­sel­dorf noch ihren Dienst auf den Schie­nen der Stadt Posen. Erst ab 2011, als die MPK zahl­rei­che Neu­wa­gen kaufte, wur­den sie suk­zes­sive ersetzt. Im Novem­ber 2019 war nach 22 Jah­ren Schluss für die betag­ten Fahr­zeuge. Sie wur­den aber nicht sang- und klang­los abge­stellt, son­dern mit einer fei­er­li­chen Ver­ab­schie­dung, bei der auch Rhein­bah­ner anwe­send waren, in den Ruhe­stand geschickt. So ent­stand die Idee, eines der Fahr­zeuge nach Düs­sel­dorf zurück­zu­ho­len und im fri­schen, gelb-grü­nen Design der MPK Poz­nań zu belas­sen. Der Wagen sollte die Düs­sel­dor­fer Samm­lung his­to­ri­scher Stra­ßen­bahn­wa­gen ergän­zen und bei­spiel­haft die zahl­rei­chen Ver­käufe von aus­ge­mus­ter­ten Bah­nen ins Aus­land dokumentieren.

Enga­gierte Spendenaktion
Damit der Rhein­bahn für den Kauf und Rück­trans­port keine Kos­ten ent­stan­den, star­te­ten die bei­den Rhein­bahn-Fah­rer Ger­hard Mar­tin Gritt­ner und Dirk Pohl sowie die Düs­sel­dor­fe­rin Pia Pilz eine enga­gierte Aktion: Sie sam­mel­ten inner­halb von nur vier Mona­ten sehr erfolg­reich 13.500 Euro an Spen­den aus dem In- und Aus­land, kauf­ten die Bahn, sorg­ten für die Rück­ho­lung und schenk­ten sie der Rhein­bahn. Unter­stützt hat sie dabei sowohl Krzy­sz­tof Dost­atni, Vor­stands­vor­sit­zen­der der MPK Poz­nań, als auch Klaus Klar, Vor­stands­vor­sit­zen­der und Arbeits­di­rek­tor der Rhein­bahn. Aus­ge­wählt haben die Betei­lig­ten den ehe­ma­li­gen Rhein­bahn-Wagen 2968, der in Posen die Num­mer 697 trug. Diese Bahn erblickte 1964 im Due­wag-Werk an der Königs­ber­ger Straße das Licht der Welt und war zunächst für die Stadt­werke Neuss auf Achse. Als die Stadt Neuss den eige­nen Stra­ßen­bahn­be­trieb 1971 still­legte, über­nahm die Rhein­bahn das erst sie­ben Jahre alte Fahr­zeug. 1974 bekam die Bahn eine Ver­län­ge­rung um acht Meter, indem ein Seg­ment in der Mitte ein­ge­fügt wurde. 2010 erfolgte nach einer Ein­satz­zeit von 46 Jah­ren, davon 39 Jahre in Düs­sel­dorf, der Ver­kauf in die pol­ni­sche Stadt.

Rüs­ti­ger Bahn-Oldie
Inzwi­schen blickt „Hel­mut“ auf bemer­kens­werte 54 Ein­satz­jahre zurück und erweckt nicht den Ein­druck, als wolle er sich schon in den Ruhe-stand ver­ab­schie­den. Den Weg zurück nach Düs­sel­dorf fand er im Sep­tem­ber 2020. Die Bahn reiht sich fortan in den his­to­ri­schen Fuhr­park der Rhein­bahn ein und stellt schon optisch in sei­nem gelb-grü­nen Kleid einen star­ken Kon­trast zu den gel­ben und rot-wei­ßen Schätz­chen dar. Zunächst wird er Teil der Aus­stel­lung im his­to­ri­schen Betriebs­hof Am Stein­berg. Denk­bar ist ein zukünf­ti­ger Ein­satz als Par­ty­bahn oder als Oldie­bahn für Rund­fahr­ten mit pol­ni­schen Spezialitäten.