Hosen-Gitarrist Breiti im Gespräch mit fiftyfifty-Redakteur Hubert Ostendorf. Fotos: Katharina Mayer

S o l i d a r i t ä t   i s t   w i c h t i g

Morgen erscheint die August-Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty. Darin als Titelgeschichte ein Interview mit dem Gitarristen der Toten Hosen, Michael Breitkopf, genannt Breiti. Der Musiker, der fiftyfifty schon seit 196 immer wieder unterstützt hat, äußert sich zu politischen und sehr persönlichen Themen.

Zur sozialen Gerechtigkeit: “Es macht ja zum Beispiel keinen Sinn, dass der Gewinn aus vielen Kapitaleinkünften wenig oder gar nicht besteuert wird, während auf den Ertrag aus Arbeit, die einen Mehrwert schafft, volle Steuern anfallen. Und man wundert sich, dass der politische Wille demokratisch gewählter Politiker so gering ist, Steuergerechtigkeit zu gewährleisten, damit wirklich alle ihre Steuern bezahlen. Damit es eben zukünftig nicht mehr möglich ist, dass große Konzerne auf den Cayman-Inseln riesige Vermögen anhäufen, sondern Gewinne dort, wo sie anfallen, auch versteuert werden.”

Zur Flüchtlingsdebatte: “
Zunächst einmal sollte klar sein, dass das Recht auf Asyl ein Grundrecht ist. Wer auf Grund von Krieg, Folter oder politischer Verfolgung seine Heimat verlassen muss, hat ein Recht auf Schutz in einem anderen Land, in dem er sicher ist. Leider wurde in Deutschland seit Beginn der 90er Jahre und auf Betreiben aller Bundesregierungen seitdem auch europaweit das Recht auf Asyl immer weiter ausgehöhlt, Kapazitäten für die Aufnahme von Flüchtlingen abgebaut und jede europäische Solidarität bei dem Thema zerstört. … Flüchtlinge werden zu Sündenböcken für alles Mögliche gemacht, wofür sie nichts können, und in ewiger Gehirnwäsche als Riesengefahr für die Gesellschaft aufgebaut, was mit der Realität nichts zu tun hat. Das ist ein absolut gefährliches Verhalten! Und anstatt die Probleme zu lösen, die es tatsächlich gibt, weil 2015 in kurzer Zeit viele Menschen zu uns kamen, werden Probleme kreiert, für die dann ein sogenannter Asylkompromiss präsentiert wird, der sowohl geltendes deutsches als auch europäisches Recht bricht und gleich auch noch das Grundgesetz verletzt. Das ist katastrophal, genauso zerstört man den Rechtsstaat.”

Zur Fortuna: “In der ersten Liga wird auch kein Fußball vom anderen Stern gespielt und es könnte durchaus möglich sein, drei der anderen Clubs hinter sich zu lassen. Mein größter Wunsch ist es, dass Friedhelm Funkel dem Verein noch lange erhalten bleibt, weil er ein super Trainer mit einem tollen Charakter ist, der für eine Mannschaft mit einem guten Zusammenhalt steht. Da macht es Spaß, ins Stadion zu gehen, egal in welcher Liga.”

Zur Lust, weiter Musik zu machen: “Wir machen nichts lieber, als in dieser Band zu spielen und wir haben immer noch die nötige Energie dafür. Wenn sich daran mal etwas ändern sollte, wird es vielleicht Zeit, aufzuhören, aber jetzt ist der Zeitpunkt nicht absehbar. Man weiß ja sowieso nie, was kommen wird. Vielleicht fahren wir ja schon morgen alle zusammen mit dem Auto vor einen Baum, dann sind alle schönen Pläne hinfällig. Deshalb ist es ohnehin am besten, alles ein bisschen so zu nehmen, wie es kommt.”

Zum Tod und was danach kommen mag: “Inzwischen ist es so, dass ich, auch wenn ich der katholischen Kirche nicht mehr angehöre, ein tief sitzendes Gefühl habe, dass meine Existenz mit dem Tod nicht vorbei sein wird. Dass es eine Seele gibt, die in irgendeiner Form weiter besteht. Wie und warum – da habe ich keinen blassen Schimmer. Aber das Bewusstsein dafür, dass der Tod kein endgültiges Ende ist, das habe ich einfach. Ich muss danach nicht suchen und brauche auch keine Religion dafür. Es ist einfach ein gutes Gefühl.”

Auf der Titelseite eines jeden Heftes machen die Toten Hosen den fiftyfifty-LeserInnen ein besonderes Geschenk: Alle, die das aktuelle Heft kaufen, erhalten gratis einen Aufkleber der Band im Wert von 2 Euro.

Das neue Heft kostet dennoch nur 2,40 Euro, so viel, wie sonst auch. Die Hälfte des Verkaufspreise dürfen die wohnungslosen VerkäuferInnen zur Linderung ihrer Not für sich behalten. Die neue fiftyfifty erscheint in einer Auflage von 30.000 Exemplaren in Düsseldorf, Duisburg, Mönchengladbach, Krefeld, Essen, Bonn und Frankfurt/Main. Zuletzt wurden nur noch gut 20.000 Hefte abgesetzt. Um die sinkende Auflage zu stabilisieren, haben Breiti und die Toten Hosen fiftyfifty mit dem Interview und dem Aufkleber unterstützt. Außerdem werden unter allen KäuferInnen je 10 von der gesamten Band handsignierte T-Shirts und Doppel-CDs verlost.

Diesen Aufkleber der Toten Hosen im Wert von 2 Euro gibt es auf dem Titel eines jeden August-Heftes des Straßenmagazins fiftyfifty.