Die Anlage wurde offi­zi­ell von (v. r.) Aqua­zoo-Direk­tor Dr. Jochen Rei­ter, Umwelt­de­zer­nen­tin Helga Stul­gies und San­dra Honigs, Lei­te­rin der Zucht- und Schutz­sta­tion für Amphi­bien, eröffnet,©Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young

 

In dem neuen Amphi­bi­en­ge­hege des Aqua­zoo sol­len die bedroh­ten Tier­ar­ten gezüch­tet und so erhal­ten werden/Große Unter­stüt­zung durch das Umwelt­amt

Das Aqua­zoo Löb­be­cke Museum hat ein neues Amphi­bien-Quar­tier erhal­ten: Eine Zucht­an­lage für Titi­caca-Rie­sen­frö­sche und Feu­er­sa­la­man­der. Die Hal­tung und erhoffte Zucht der Tiere fin­det außer­halb des Gebäu­des in einem eigens errich­te­ten Gewächs­haus mit drei Was­ser­an­la­gen statt. Sechs Rie­sen­frö­sche und acht Sala­man­der leben in der Anlage.

Maß­geb­lich für die Errich­tung der neuen Amphi­bien-Unter­kunft war die finan­zi­elle Unter­stüt­zung des Umwelt­am­tes der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf, das seit vie­len Jah­ren das erfolg­rei­che Arten­schutz­pro­jekt für Amphi­bien des Aqua­zoo finan­ziert.
Umwelt­de­zer­nen­tin Helga Stul­gies und Aqua­zoo-Direk­tor Dr. Jochen Rei­ter stell­ten am Frei­tag, 31. Juli, das Pro­jekt vor und eröff­ne­ten die neue Zucht­an­lage offi­zi­ell.

Umwelt­de­zer­nen­tin Helga Stul­gies: “Mit dem neuen Pro­jekt tra­gen wir maß­geb­lich dazu bei, dass das Amphi­bien-Team des Aqua­zoo die Mög­lich­keit erhält, wei­tere spe­zia­li­sierte Amphi­bi­en­ar­ten vor der Aus­rot­tung zu bewah­ren. Die Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf nimmt in die­sem Zusam­men­hang ihre Ver­ant­wor­tung zur immer wich­ti­ger wer­den­den Erhal­tung der Arten­viel­falt wahr.”

Aqua­zoo-Direk­tor Dr. Jochen Rei­ter: “Die Kom­bi­na­tion die­ser bei­den Tier­ar­ten, eines Frosch- und eines Schwanz­lurchs, in der Zucht­an­lage des Amphi­bi­en­pro­jek­tes zeigt, dass sich der Aqua­zoo für den Schutz und die Zucht exo­ti­scher Tier­ar­ten, als auch für die Ret­tung hei­mi­scher Arten glei­cher­ma­ßen ein­setzt. Das Pro­jekt soll lang­fris­tig die Erhal­tung bei­der Arten in Men­schen­ob­hut gewähr­leis­ten und ein State­ment für den Schutz aller Amphi­bi­en­ar­ten sein.”

Der Titi­caca-Rie­sen­frosch
Der Titi­caca-Rie­sen­frosch (Tel­mato­bius culeus) stammt ursprüng­lich aus dem Titi­ca­ca­see. Die­ser See umfasst eine Flä­che von 8.300 Qua­drat­ki­lo­me­tern, ist 280 Meter tief und liegt auf 3.800 Metern Höhe über dem Mee­res­spie­gel in den Anden. Der Titi­ca­ca­see ist der größte Hoch­land­see der Welt, zugleich der größte See Süd­ame­ri­kas und stellt dar­über hin­aus das größte Süß­was­ser­re­ser­vat der Region. Aber nicht alle Super­la­tive, die die­ses Süß­ge­wäs­ser zu bie­ten hat, kön­nen als posi­tiv ver­bucht wer­den. So ist der Titi­ca­ca­see auch der schmut­zigste See der Welt.

Der cha­ris­ma­ti­sche Titi­caca-Rie­sen­frosch steht hier vor der Aus­rot­tung und ist in der Roten Liste der Inter­na­tio­nal Union for Con­ser­va­tion of Nature (IUCN) als “bedroht” ein­ge­stuft. Da diese Art nur in die­sem See und sei­nen Zuflüs­sen vor­kommt, ist eine Abwan­de­rung der Tiere aus­ge­schlos­sen. Stirbt die Tier­art dort aus, ist sie voll­stän­dig aus­ge­rot­tet. Die Bedro­hungs­fak­to­ren für den Titi­caca-Rie­sen­frosch sind viel­fäl­tig: starke Ver­schmut­zung des Sees (unter ande­rem durch Abwas­ser von Minen, Städ­ten), ver­än­derte Kli­ma­be­din­gun­gen (starke und häu­fige Regen­fälle, zuneh­men­der Wind und kleine Tor­na­dos), inva­sive Arten, ille­gale Jagd (für tra­di­tio­nelle Medi­zin und Nah­rung — mehr als 40.000 Frö­sche pro Jahr), sin­ken­der Was­ser­stand, die Strö­mun­gen im See ver­än­dernde Dämme und töd­li­che Krank­heits­er­re­ger (Chy­trid-Pilz, Rana-Virus). Der Titi­ca­ca­see ist ein Para­de­bei­spiel dafür, wie sich ver­schie­dene nega­tive Ein­flüsse auf ein Öko­sys­tem aus­wir­ken und wel­che Fol­gen dies hat.

Das Amphi­bi­en­pro­jekt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf unter­stützt bereits seit 2008 die Arten­schutz­be­mü­hun­gen für den Titi­caca-Rie­sen­frosch. Ein wich­ti­ger Schritt der umfang­rei­chen Ret­tungs­ak­tion ist es, Tiere aus dem Hei­mat­see in mensch­li­che Obhut auf­zu­neh­men. Im ers­ten Schritt wur­den dafür Hal­tungs­sta­tio­nen direkt am See ein­ge­rich­tet. Die Nach­zucht der Frö­sche gelingt hier nun regel­mä­ßig, so dass 2019 für den Export 150 junge Tiere zur Ver­fü­gung stan­den und nach Europa trans­por­tiert wur­den. Hier haben sich einige wenige spe­zia­li­sierte Zoos zusam­men­ge­fun­den, um diese Tiere gemein­sam auf­zu­neh­men und die Erhal­tungs­zucht in Europa zu begin­nen. Mit den Infor­ma­tio­nen aus der Frei­land­for­schung und der Hal­tung der Tiere vor Ort bestehen nun die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen, um diese Tier­art erst­mals in Europa nach­hal­tig zu pfle­gen, der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren und zur Art­erhal­tung zu züch­ten. Um die Tiere pfle­gen zu kön­nen, bedarf es spe­zia­li­sier­ter Kennt­nisse in der Hal­tung von Frosch­lur­chen als auch in der Aqua­ris­tik. Das Aqua­zoo Löb­be­cke Museum ist mit sei­ner Amphi­bi­en­sta­tion Düs­sel­dorf eine der weni­gen Insti­tu­tio­nen, die die­ser Pio­nier­ar­beit gewach­sen ist.

Der Feu­er­sa­la­man­der
Um das Poten­tial des neuen Amphi­bien-Quar­tiers voll aus­nut­zen zu kön­nen, wer­den dort neben den aqua­ti­schen Frö­schen auch Feu­er­sa­la­man­der (Sala­man­dra sala­man­dra) gepflegt. Die hei­mi­sche Schwanz­lurch­art ist eben­falls vom Aus­ster­ben bedroht. Der Feu­er­sa­la­man­der ist eine hei­mi­sche Schwanz­lurch­art, die in geeig­ne­ten Habi­ta­ten auch im Düs­sel­dor­fer Umfeld anzu­tref­fen ist. Diese Art wird seit kur­zer Zeit von einer rela­tiv neuen Form des Chy­trid-Pil­zes stark dezi­miert, wodurch die Bestände zusam­men­bre­chen. Aktu­ell for­mie­ren sich zahl­rei­che Grup­pen aus For­schern, Fach­leu­ten aus Zoos und Pri­vat­ver­bän­den, um einen Ret­tungs­plan für diese wich­tige hei­mi­sche Amphi­bi­en­art aus­zu­ar­bei­ten. Im Aqua­zoo Löb­be­cke Museum wer­den Feu­er­sa­la­man­der bereits seit vie­len Jah­ren gepflegt. Die Nach­zucht gelang im Aqua­zoo nun erst­mals 2020. Da es sich beim Feu­er­sa­la­man­der um eine hei­mi­sche Lurch­art han­delt, gelingt ihre Nach­zucht nur, wenn man für die Tiere die ent­spre­chen­den kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen schafft. Sie brau­chen den jah­res­zeit­li­chen Wech­sel. Die Hal­tung der Zucht­grup­pen im Freien ist daher der Schlüs­sel zu einer erfolg­rei­chen Nach­zucht die­ser mitt­ler­weile in Deutsch­land hoch bedroh­ten Tier­art.

Wäh­rend Feu­er­sa­la­man­der schon län­ger das Bach­lauf-Gehege im Aus­stel­lungs­be­reich der Süß­ge­wäs­ser im Aqua­zoo bewoh­nen — der­zeit leben dort acht Salamander‑, wer­den nun auch zwei Exem­plare der Titi­caca-Rie­sen­frö­sche für die Besu­che­rin­nen und Besu­cher im Aus­stel­lungs­be­reich zu sehen sein.