Gewin­ner­ent­wurf

 

Gewin­ner steht fest

Der Archi­tek­ten­wett­be­werb für das Erwei­te­rungs­ge­bäude des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len und der Ideen­wett­be­werb für die Ent­wick­lung des Bür­ger­parks Bilk ist abge­schlos­sen. Das Preis­ge­richt hat am Frei­tag, 20. Novem­ber 2020, das Büro schulz+schulz aus Leip­zig als Sie­ger des Archi­tek­ten­wett­be­werbs gekürt. Der Land­tag wird jetzt Ver­hand­lun­gen über die Details des Ver­trags mit dem Archi­tek­tur­büro auf­neh­men. Das Erwei­te­rungs­ge­bäude ist not­wen­dig gewor­den, weil das in den 80er-Jah­ren errich­tete Land­tags­ge­bäude nicht mehr den Anfor­de­run­gen eines moder­nen Par­la­ments mit fünf Frak­tio­nen gerecht wird.

Im Januar hat­ten der Land­tag und die Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf den Pla­nungs­wett­be­werb gestar­tet. Das Preis­ge­richt befasste sich mit ins­ge­samt 34 Ent­wür­fen, von denen neun in die engere Wahl gekom­men waren. Dem Preis­ge­richt gehör­ten unter ande­rem Archi­tek­tin­nen und Archi­tek­ten, Stadt­pla­ne­rin­nen und Stadt­pla­ner, Land­schafts­ar­chi­tek­tin­nen und ‑archi­tek­ten an, zudem der Prä­si­dent des Land­tags, André Kuper, der Ober­bür­ger­meis­ter der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf, die Pla­nungs­de­zer­nen­tin Cor­ne­lia Zuschke sowie wei­tere Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Stadt Düs­sel­dorf und Mit­glie­der aller Frak­tio­nen des Landtags.

Der Sie­ger­ent­wurf sieht unter ande­rem vier ring­för­mige, auf­ge­stän­derte Gebäude vor, die mit­ein­an­der und mit dem Land­tags­ge­bäude ver­bun­den sind und sich ein­fü­gen in die Park- und Archi­tek­tur­land­schaft der Soli­täre Land­tag, Rhein­turm und WDR. Geschich­tete Glas­fas­sa­den ver­bin­den Gebäude und Grün und ermög­li­chen Blick­be­zie­hun­gen. Dach­be­grü­nun­gen pas­sen sich dem umge­ben­den Park­cha­rak­ter an. Dem Ent­wurf zufolge soll das Gebäu­de­en­sem­ble inte­gra­ler Bestand­teil des Rhein- und Bür­ger­parks wer­den. Es soll zudem höchs­ten Nach­hal­tig­keits- und Ener­gie­spar­an­sprü­chen genü­gen, zum Bei­spiel durch die inten­sive Nut­zung von Pho­to­vol­taik als Bau­teile von Son­nen­schutz und Brüs­tun­gen sowie durch die Ver­wen­dung von Holz als nach­wach­sen­dem Bau­stoff. Eine Kos­ten­schät­zung ist aktu­ell noch nicht mög­lich, weil der Ent­wurf durch Ver­trags­ver­hand­lun­gen wei­ter ver­än­dert wer­den kann. Zudem sind die Kos­ten für die Erschlie­ßung des Grund­stücks in die­ser Phase des Pro­jekts noch nicht absehbar.

Prof. Jörg Aldin­ger, Archi­tekt und Vor­sit­zen­der des Preis­ge­richts, begrün­det die Ent­schei­dung: „Den Ver­fas­sern des 1. Prei­ses ist es gelun­gen, den unver­wech­sel­ba­ren Ort der Rhein­auen in Düs­sel­dorf und die eigen­stän­dige Archi­tek­tur des Land­tags fort­zu­schrei­ben und neu zu inter­pre­tie­ren. Der Ent­wurf stellt eine wun­der­bare Sym­biose von Gegen­wart und Zukunft in Städ­te­bau, Land­schafts­pla­nung und Archi­tek­tur dar und wird sich aufs Beste mit dem Ort und den Men­schen verbinden.“

„Das große Teil­neh­mer-Inter­esse zeigt: Das Gebäude des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len ist ein bedeu­ten­des Par­la­ments­ge­bäude. Aber: Es wurde in den 80er-Jah­ren für nur drei Frak­tio­nen und einen ande­ren Par­la­ments­be­trieb als heute geplant. Das Gewin­ner-Büro hat jetzt einen Ent­wurf für ein Gebäude vor­ge­legt, mit dem der Land­tag auf Dauer arbeits­fä­hig blei­ben kann: Die Zahl der Sit­zun­gen von Arbeits­krei­sen und Aus­schüs­sen sowie die Zahl der Anhö­run­gen hat sich in den letz­ten Jah­ren ver­viel­facht. Die Frak­tio­nen benö­ti­gen mehr Raum für die Betei­li­gung von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern sowie Sach­ver­stän­di­gen, um die immer kom­ple­xer wer­den­den Fra­ge­stel­lun­gen unse­rer Zeit zu dis­ku­tie­ren. Und wir holen immer mehr Besu­che­rin­nen und Besu­cher, beson­ders junge Men­schen, ins Haus, um für unsere Demo­kra­tie zu wer­ben. Das alles führt dazu, dass Sit­zungs­räume Man­gel­ware sind und sich ange­mie­tete Büros auf vier Stand­orte in der Stadt ver­tei­len. So kann das Par­la­ment des größ­ten Bun­des­lan­des auf Dauer nicht arbei­ten“, sagt der Prä­si­dent des Land­tags, André Kuper.

Dr. Ste­phan Kel­ler, Ober­bür­ger­meis­ter der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf betont: „Dem Gewin­ner­ent­wurf des Büros schulz+schulz aus Leip­zig gelingt eine wirk­lich ange­mes­sene Erwei­te­rung des bestehen­den Land­tags­ge­bäu­des. Ich freue mich, dass das Par­la­ments- und Regie­rungs­vier­tel damit einen hoch­at­trak­ti­ven Neu­bau erhält, der Düs­sel­dorf als Lan­des­haupt­stadt wei­ter stärkt. Beson­de­res Augen­merk liegt von unse­rer Seite auch auf der bes­se­ren Ver­bin­dung der Rhein­ufer­pro­me­nade mit dem Medi­en­ha­fen, die par­al­lel wei­ter aus­ge­ar­bei­tet wird. Wir wer­den nun zusam­men mit den Rats­gre­mien zügig das erfor­der­li­che Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren und die hier­bei regel­mä­ßig durch­zu­füh­ren­den Bür­ger­be­tei­li­gun­gen star­ten. Gemein­sam mit dem Land­tag NRW freuen wir uns auf die Detail­pla­nung und die anschlie­ßende Realisierung.“

Hin­ter­grund:

Das 1988 eröff­nete Land­tags­ge­bäude am Rhein kann den Bedarf an Büro- und Sit­zungs­räu­men nicht mehr abde­cken. Es wurde in den 80er-Jah­ren für nur drei Frak­tio­nen geplant und wurde im Bau­ver­lauf für vier Frak­tio­nen umge­plant; heute sind es fünf Frak­tio­nen. Die Frak­tio­nen und die Ver­wal­tung des Land­tags sind auf vier Lie­gen­schaf­ten in Düs­sel­dorf ver­teilt, was kon­ti­nu­ier­lich stei­gende Miet­kos­ten in Höhe von der­zeit rund drei Mil­lio­nen Euro jähr­lich verursacht.

In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren hat sich die par­la­men­ta­ri­sche Arbeit stark ver­än­dert. Ein Grund ist der zuneh­mende Bedarf an per­sön­li­cher Kom­mu­ni­ka­tion und fach­li­cher Zuar­beit für die immer kom­ple­xer wer­den­den Pro­blem­stel­lun­gen. Vor der Ver­ab­schie­dung von Geset­zen befas­sen sich die Abge­ord­ne­ten inhalt­lich aus­führ­lich mit den The­men, zum Bei­spiel in den Fach­aus­schüs­sen. Allein die Zahl der Sit­zun­gen der Aus­schüsse ist von 122 (in den Jah­ren 1995 bis 2000) auf rund 600 (in den Jah­ren 2012 bis 2017) gestie­gen. Die Bele­gung von Sit­zungs­räu­men stieg von 2.000 Buchun­gen im Jahr 2005 auf rund 12.000 im Jahr 2019. Auch die Frak­tio­nen des Land­tags betei­li­gen ver­stärkt Sach­ver­stän­dige und Bür­ge­rin­nen und Bür­ger: Im Jahr 2011 luden sie zu rund 70 Work­shops und Ver­an­stal­tun­gen ein, im Jahr 2019 waren es 200 Veranstaltungen.

Der Land­tag baut kon­ti­nu­ier­lich die Ange­bote für Besu­che­rin­nen und Besu­cher, vor allem für junge Men­schen, aus: Jede Schü­le­rin und jeder Schü­ler soll ein­mal wäh­rend der Schul­zeit einen „Demo­kra­tie­kon­takt“ zu einem Par­la­ment erhal­ten. Neben der wach­sen­den Zahl an Jugend­li­chen, die ins Par­la­ment kom­men, bie­tet der Land­tag neue Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­for­men an: Zu den Akti­ons­ta­gen „Land­tag macht Schule“ kamen bis­lang 1.200 Neunt­kläss­ler in den Land­tag. Bei Pro­jekt­ta­gen erhal­ten sie Infor­ma­tio­nen zu aktu­el­len The­men wie Europa, Medien und Fake News oder Israel. Zu drei Bür­ge­r­emp­fän­gen kamen rund 180 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger; rund 800 Flücht­linge nah­men an zehn Ter­mi­nen der soge­annn­ten Demo­kra­tie­schule teil und in acht Par­la­ments­ge­sprä­chen dis­ku­tier­ten inter­es­sante Per­sön­lich­kei­ten vor jeweils rund 100 Gäs­ten über aktu­elle gesell­schaft­li­che Themen.

Land­tag, Lan­des­re­gie­rung und Lan­des­haupt­stadt hat­ten im Dezem­ber 2019 eine Rah­men­ver­ein­ba­rung unter­zeich­net. Darin sind als Ziele fest­ge­hal­ten: die Erwei­te­rung des Land­tags­ge­bäu­des am Rhein­turm, die Wei­ter­ent­wick­lung des Bür­ger­parks Bilk zu einem Grün­raum mit Auf­ent­halts­qua­li­tät mit Anbin­dung an den Rhein und wich­ti­ger Ver­net­zungs­funk­tion zwi­schen Medi­en­ha­fen und Innen­stadt und die Vor­aus­set­zun­gen für den Weg­fall des Park­hau­ses an der Mosel­straße. Bau­be­ginn könnte Ende 2021 sein.

 

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