Eine Erin­ne­rung an die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus: Am Diens­tag, 24. August, wur­den 22 “Stol­per­steine” in ver­schie­de­nen Düs­sel­dor­fer Stadt­tei­len verlegt,©Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister

 

Hin­ter jeder Mes­sing­ta­fel steht eine Lebensgeschichte

Eine Erin­ne­rung an die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus: Am Diens­tag, 24. August, wur­den 22 wei­tere “Stol­per­steine” in ver­schie­de­nen Düs­sel­dor­fer Stadt­tei­len ver­legt. Die 10 x 10 Zen­ti­me­ter gro­ßen Mes­sing­ta­feln des Köl­ner Künst­lers Gun­ter Dem­nig rufen mit den Lebens­da­ten (“Hier wohnte …”) zum Geden­ken auf.

Ins­ge­samt gibt es damit 372 Stol­per­steine im gesam­ten Düs­sel­dor­fer Stadt­ge­biet. Pri­vate Paten haben sie finan­ziert, der För­der­kreis der Mahn- und Gedenk­stätte Düs­sel­dorf koor­di­niert die Aktion.

Hil­de­gard Jakobs, stell­ver­tre­tende Lei­te­rin der Mahn- und Gedenk­stätte und lei­tende wis­sen­schaft­li­che Betreue­rin des Pro­jekts: “Stol­per­steine sind immer noch wich­tige Weg­mar­ken in der Erin­ne­rungs­land­schaft unse­rer Stadt. Wir sind der­zeit damit befasst, einen gro­ßen Online­gang der Opfer­bio­gra­fien zu ent­wi­ckeln. Es sind beson­ders die hin­ter den klei­nen Kunst­wer­ken ste­hen­den Lebens­ge­schich­ten, die uns sehr wich­tig sind.”

Jeder Stol­per­stein erzählt eine Geschichte
Auf der Kreuz­berg­straße 62 wird ein Stol­per­stein für Sally Edu­ard Heydt ver­legt. Der Werk­meis­ter kam 1910 nach Düs­sel­dorf, wo er zwei Jahre spä­ter die katho­li­sche Maria Cle­mens hei­ra­tete und mit ihr drei Kin­der bekam. In die­ser Zeit ließ sich Heydt zudem katho­lisch tau­fen. Nach­dem seine Frau ver­starb, hei­ra­tete er 1925 die eben­falls katho­li­sche Helene Jose­fine. Durch seine katho­li­sche Ehe­frau und den Ein­satz sei­nes Arbeit­ge­bers war er trotz natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ras­sen­ge­setze zunächst von den schlimms­ten Zwangs­maß­nah­men aus­ge­nom­men. Nach stei­gen­dem Druck der Gestapo wurde Sally Heydt zusam­men mit ande­ren im “Ein­zel­ein­satz” befind­li­chen Juden zur wei­te­ren Arbeits­wen­dung im geschlos­se­nen Arbeits­ein­satz über­stellt. Am 12. Juli 1944 wur­den fünf in “Misch­ehe” lebende Düs­sel­dor­fe­rin­nen und Düs­sel­dor­fer ins Ghetto The­re­si­en­stadt depor­tiert. Mög­li­cher­weise hatte Sally Edu­ard Heydt Kennt­nis davon. Am 28. Juli 1944 nahm er sich in Kai­sers­werth das Leben.

Zwei Stol­per­steine wer­den für Julie und Sieg­mund Levy in der Fried­rich-Ebert-Straße 12 ver­legt. Das Ehe­paar lebte damals mit sei­nen bei­den Kin­dern in der Kai­ser-Wil­helm-Straße 12. Sieg­mund Levy war Part­ner der Firma Francken und Lang GmbH und Mit­her­aus­ge­ber der Han­dels­kam­mer-Blät­ter. Nach der Macht­über­nahme durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten musste er sei­nen Geschäfts­an­teil ver­kau­fen. Wäh­rend beide Kin­der der Fami­lie Levy nach Paläs­tina emi­grier­ten, blie­ben die Ehe­leute Levy zunächst in ihrer Woh­nung in der Kai­ser-Wil­helm-Str. 12 in Düs­sel­dorf, bis sie in das “Juden­haus” in der Gar­ten­straße 112 zie­hen muss­ten. Am 22. April 1942 wur­den Sig­mund und Julie Levy vom Güter­bahn­hof Düs­sel­dorf-Deren­dorf in das Ghetto Izbica depor­tiert. Sie haben nicht überlebt.

Die ursprüng­lich aus Polen stam­men­den Rosa Estera und Simon Klar­mann leb­ten mit ihren drei Kin­dern zunächst in der Markt­straße 11, wo auch zwei Stol­per­steine für sie ver­legt wer­den. Gemein­sam führ­ten sie ein Geschäft für Stoffe und Schnei­de­rei­be­darfs­ar­ti­kel. 1938 wurde die Fami­lie in ihrer Woh­nung von der Poli­zei abge­holt und an die deutsch-pol­ni­sche Grenze nach Zbas­zyn abge­scho­ben. Wäh­rend sei­ner befris­te­ten Rück­kehr nach Deutsch­land begann der zweite Welt­krieg, sodass Simon Klar­mann nach Bel­gien floh. Er wurde ver­haf­tet und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen inhaf­tiert. Simon Klar­mann starb am 23. Februar 1942 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Groß Rosen. Rosa Estera Klar­mann war in der Zwi­schen­zeit mit ihren Kin­dern in Polen, lebte zunächst in Kra­kau, spä­ter in Tar­now. Ihr Schick­sal ist unbekannt.