Trotz schlechtem TÜV-Gutachten: Der Antipipeline-Protest lebt     Foto: WDR

Der TÜV – ein seriöses Unternehmen und zertifizierter Garant für unsere Sicherheit auf Straßen, im Alltag.
Nettes Märchen vergangener Tage? Müssen nicht vielmehr Gewinnorientierung und Abhängigkeit von Auftraggebern heute zwangsläufig zu der Frage führen: „Kann man dem TÜV überhaupt noch trauen?“

Diese wichtige Frage stellen jetzt die Experten der CO-Initiativen, die die Rolle des TÜV im CO-Pipeline-Verfahren beleuchteten. Die Initiativen vertreten die Interessen von über 110.000 Menschen, deren Gesundheit und Leben durch den Betrieb der CO-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen gefährdet wären. Und sie haben schon schlechte Erfahrungen mit dem TÜV machen müssen. Lesen Sie mal, was Initiativen-Sprecher Dieter Donner zu berichten weiß.

„Die Probleme des TÜV als Unternehmen mit Gewinnstreben und die dadurch zunehmende „Abhängigkeit“ von den Auftraggebern der Industrie wurde auch am Beispiel der CO-Pipeline Verfahrens im TV-Beitrag „Der TÜV – ein Siegel ohne Wert“ der NDR-Sendereihe 45 Min. (ARD-alpha-Reportage) untersucht.

Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass sogar gerichtlich festgestellt wurde, dass eine objektive Prüfung und Begutachtung fehlte. Die Richter sahen den Gutachter TÜV „durch einen hohen Grad an Identifikation mit dem Vorhaben geprägt („Wir bauen sicher!“) und eines unabhängigen Sachverständigen insoweit unangemessen, als er sich permanent durch Blickkontakt der Zustimmung der Vertreter der Beigeladenen – namentlich des Herrn Breuer – rückversicherte.“

Bayer- und TÜV-Verantwortliche wollten sich nicht – wie von der Grünen Claudia Roth und Dieter Donner, Sprecher der Stopp-CO-Pipeline-Initiative gefordert – zu diesem brisanten Thema äußern. Bayer teilte mit, dass man weniger als die von Dieter Donner genannten 200.000 Menschen entlang der CO-Pipeline-Trasse als gefährdet ansehe. Der TÜV-Hessen erwiderte lax, dass der Gutachter „unabhängig und frei von Anweisungen durch den Auftraggeber gearbeitet habe.“

Nach 100 Tagen im Amt empfehlen wir nun dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet, sich den NDR-Beitrag anzuschauen und erwarten Antworten von ihm. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf und die Verwaltungsgerichte sollten diese Recherche kennen und in ihre Entscheidungen einbeziehen. Donner: „Auch in dem Anhörungsverfahren zum Bayer-Planänderungsantrag in der GRUGA-Essen musste der von der Bezirksregierung geladene TÜV-Gutachter ebenfalls Fehler eingestehen und erntete eher Misstrauen.“