Manuel Mataré, Düsseldorfer mit Leib und Seele, Altbier-Fan und Messe-Manager i.R. hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Zwischen Stromschnellen und schroffen Steilufern rauschte er mit dem Schlauchboot den Grand Canyon hinunter. Sein ganz persönlicher „Trip of a Lifetime“…
Einfach fantastisch – aber lesen Sie selbst.

„Trip of a Lifetime“ – Mit dem Schlauchboot durch den Grand Canyon

Eine „bucket list“ nennen Amerikaner eine  Aufzählung von Dingen, die ein Mensch in seinem Leben (noch) unbedingt erleben oder erledigen will. Populär ist der Ausdruck insbesondere durch den gleichnamigen tollen Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman (Das Beste kommt zum Schluss) geworden. 15 Amerikaner und ich hatten schon lange auf unserer „bucket list“, mit einem Boot den Colorado River durch denGrand Canyon zu fahren….. Ewig geträumt, jahrelang geplant und jetzt endlich verwirklicht: 188 Flussmeilen von Lees Ferry bis Whitmore Wash auf einem großen Fünf-Kammer Schlauchboot, erst durch den Marble Canyon und dann durch den Grand Canyon – acht Tage ohne Strom, ohne Telefon und Internet, ohne Dusche und ohne Ausstiegsmöglichkeit mit ganz kleinem Gepäck. Insbesondere die wenige Kleidung war sorgfältig abzuwägen, da die Wassertemperatur konstant nicht über zehn Grad beträgt, die Luft mittags im September aber noch an 40 Grad heranreicht. Trotz der rund 50 Stromschnellen bis zum Schwierigkeitsgrad 8 ist ein Neoprenanzug da völlig ungeeignet….. Jährlich wird der Rim des Grand Canyon von 9,5 Millionen Touristen besucht, durchqueren dürfen den Canyon per Quote 21.000 Flussfahrer, in der Saison von März bis September also ca. 80 pro Tag für kommerzielle Anbieter und wenige erfahrene Privatgruppen. Die mitgeführte Fahne unserer boot Düsseldorf hat also kein breites Publikum angetroffen, aber riesig waren Überraschung und Freude beim Treffen auf zwei Freiburger Paddler, die nicht glauben wollten, dass „ihre boot“, die sie seit vielen Jahren regelmäßig besuchen, auch im Grand Canyon präsent ist. Drucker habe ich leider nicht angetroffen… War es nun der „trip of a lifetime“, wie es in vielen Beschreibungen berichtetwird und warum? Uneingeschränktes JA!

Weltnaturdenkmal
Herausragend und fast unbeschreiblich das grandiose Naturerlebnis mit der völlig archaischen Landschaft. Der Grand Canyon ist eines der Naturwunder, das alleine durch seine immense Mächtigkeit jedes bislang bekannt geglaubte Gefühl für Größe relativiert und sein Bild hinter fast jeder Flussbiegung ändert. Seit 1919 ein National Park der USA, listet die UNESCO den Canyon in der elitären Riege der Weltnaturdenkmäler seit 1979. Schlafen auf Sandbänken unter einem nicht mehr gekannten Sternenhimmel, Hikes in Seitencan – yons und natürlich das Meistern der Stromschnellen, dies in Verbindung mit Verzicht auf jeglichen Komfort und den gewohnten und unverzichtbar geglaubten Annehmlichkeiten unseres täglichen Lebens. Genauso beeindruckend das sehr schnell sehr harmonisch einsetzende positive Gruppenerlebnis mit mir bis dahin völlig unbekannten 15 Männlein und Weiblein. Ich war der einzige Nicht-Amerikaner, dazu gab es noch zwei grandiose Guides. Sie waren sowohl uneingeschränkte Autoritätsperson als Skipper als auch im Tagesverlauf exzellente Köche und Entertainer, als Fremdenführer nicht nur Geologe und Biologe, phantastische Organisatoren aber auch Notfall-Mediziner, Philosophen wie Psychologen und bereits nach wenigen Stunden vertraute und liebenswertKumpels. Wie in Amerika üblich, leben sie vom Trinkgeld der Kunden…

 

Auf den Punkt
Und dann war da noch für mich, den gelernten Messemacher, die gesamte Organisation: Einfach, toll, effizient und auf den Punkt! Fast wie in einer Raumstation waren alle Küchengerätschaften, Wasseraufbereitung, Notfallequipment, Toilette, etc. in 36 Alu-Containern auf dem großen Schlauchboot wasserdicht verstaut und die frischen Lebensmittel mit Trockeneis vor Hitze geschützt. Alles, was in den Canyon reingebracht wird, wird auch wiede rmit rausgebracht: die Container nahmen im Verlauf der Tour alle Abfälle auf, auch die menschlichen. Apropos Ausstieg: Ist tatsächlich nur bei Flussmeile 89 an der legendären Phantom Ranch über den Bright Angel Trail möglich; eine neun Meilen Wanderunfast senkrecht hinauf zum Rim bei Überwindung von rund 1.600 Höhenmeter. Ansonsten wird nur bei Tod oder Lebensgefahr eines River Runners per Satellitentelefon ein Hubschrauber angefordert – im unglücklichsten Fall kann ein möglicher Landeplatz bis zu 24 Stunden flussabwärts entfernt sein.

„Some stories deserve to be told again and again and again…” so überschreibt ein Buch den Grand Canyon als “one ofthe great experiences of a lifetime”.

Text und Fotos: Manuel Mataré